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Kati Ferro

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2005-05-26

Widerstand Down Under

Am 26. Februar 1972, also vor 33 Jahren, wurde auf dem Rasen vor dem Parlamentsgebäude in Canberra, Australien, der Grundstein für die Aboriginal Tent Embassy, der Zeltbotschaft der Aborigines gelegt.

Australien wird meistens als das Land des roten Sandes, der Kängurus, der Koalabären und der Surf-Strände gesehen. Ein Traumparadies? Für manche. Es ist aber auch das Land zunehmenden Rassismus und des versuchten Genozids an der indigenen Bevölkerung der Aborigines. Seit dem Auftauchen der ersten Gefangenen und der ersten Siedler leistete die indigene Bevölkerung auf vielfältige Weise Widerstand gegen die Enteignung des Landes und gegen den Genozid. Bis weit in die 1980er Jahre wurden Kinder aus gemischtethnischer Herkunft den Eltern weggenommen und in Kinderheimen für ihre Zukunft als Hauspersonal vorbereitet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden "Zuchtdiagramme" erstellt, da angenommen wurde, dass der Aborigines-Anteil am Erbgut durch "Kreuzung" getilgt werden könnte. Assimilation war der "kulturelle" Teil des Plans, die indigene Bevölkerung loszuwerden oder doch zumindest zu kontrollieren. Erst 1967 wurde in einem landesweiten Referendum mit 90% beschlossen, dass Aborigines bei Volkszählungen überhaupt erst erwähnt werden.

Als Fremde im eigenen Land

Der Kampf um Landrechte und Souveränität waren immer schon die zentralen Anliegen im Widerstand gegen die Hegemonie der weißen AustralierInnen. Die Aboriginal Tent Embassy befindet sich auf der Wiese vor dem alten Parlamentsgebäude in Canberra, der Hauptstadt Australiens. Sie stellt den ältesten Protestort in Australien und einen der ältesten in der Welt dar. Bereits 1927 wurde dieser Ort zum ersten Mal für passiven Widerstand im Kampf um Landrechte von zwei Aborigines-Ältesten genützt, die damals gegen den Bau des Parlamentsgebäudes protestierten. Denn das Land, auf dem das Gebäude steht, ist traditionelles Land des Wiradjuri Volkes und wurde als Versammlungsort genutzt. Am 26. Februar 1972 wurde die Botschaft schließlich begründet und wurde gleichzeitig die Spitze der Landrechtsbewegung. Als "Botschaft" wird der Container mit anschließendem Zeltdorf deswegen bezeichnet, weil die Aborigines sich als Fremde im eigenen Land sehen. Im Jahr 1993 wurde das heilige Feuer für Frieden und Gerechtigkeit zu Erinnerung an den Freiheitskämpfer Kevin Gilbert entzündet, das seither durchgehend als Symbol des Widerstandes brennt. Zwei Jahre später wurde der Platz in die Liste der Australian Heritage Commission aufgenommen und wurde somit als Platz mit großer kultureller Bedeutung anerkannt. Während der Olympischen Spiele 2000 wurde das heilige Feuer nach Sydney gebracht und im Park neben der Universität Sydney im ersten Ableger der Botschaft entzündet. Die politischen Aktionen in diesem Zeitraum bekamen große Unterstützung von Seiten der Bevölkerung und erzielten somit die notwendige Aufmerksamkeit für den politischen Kampf.

Ein Dorn im Auge

Keine Frage, die Botschaft ist ein politischer Erfolg. Deswegen ist sie auch ein Dorn im Auge der konservativen PolitkerInnen. Mehr als einmal wurde versucht, die Botschaft gewaltsam zu räumen oder die AktivistInnen mittels Verhandlungen zum Aufgeben zu bewegen. Mehr als einmal kam es allerdings auch zu Brandanschlägen auf die Botschaft und die Zelte, bei denen glücklicherweise nie jemand verletzt wurde. Zum Tourismusziel geworden, wird sie nunmehr zähneknirschend hingenommen. Als jedoch ein Holzgebäude in Form eines Zeltes errichtet wurde, wurde dieses bereits eine Nacht später von den Behörden niedergerissen. Mittlerweile gibt es in Australien acht Botschaften, die alle in erster Linie der Öffentlichmachung der Missstände und für den Kampf der Landrechte als Symbol sowie als Basislager für die AktivistInnen dienen. Zusätzlich werden immer wieder anlassorientiert Lager errichtet, die meistens den Kämpfen um den Erhalt von schützenswerten Gebieten oder dem Stopp zunehmender Zersiedelung gewidmet sind, wie die Botschaft am Thirroul Beach. 2001 wurde Asche des heiligen Feuers von Canberra nach DenHaag mitgenommen, um vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschrechte einen Protestort zu begründen.

Keine Frage auch, dass Protestorte wie dieser mehr denn je notwendig sind, denn noch immer ist die indigene Bevölkerung der am meisten benachteiligte Teil der Gesamtbevölkerung Australiens. Es gibt die meisten Inhaftierten mit den meisten Todesfällen im Gefängnis. Aborignies haben eine weitaus niederere Lebenserwartung bei ungleich höherer Kindersterblichkeit. Viele leben unter unwürdigen Lebens- und Gesundheitsbedingungen.

Im Jänner 2001 haben Älteste in der Aboriginal Tent Embassy in Canberra die andauernde Souveränität über das Land und die Gewässer, bekannt als Australien, erklärt. Diese sei nur durch die Anwendung extremer Gewalt behindert worden, nie jedoch aufgegeben, und nur wenn der Genozid öffentlich anerkannt worden ist, könne es zu einer Aussöhnung kommen.