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Melina Klaus

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2005-04-02

Alltag in der Republik

Auch ein runder Geburtstag � 25 Jahre Sommerzeit.
Seit 6. April 1980 stellen wir im Frühjahr die Uhren eine Stunde vor, im mittleren Herbst dann wieder eine zurück. Seit 25 Jahren das. Manche rätseln jährlich wieder, was genau am ausgerufenen Datum � je nach Vorliebe des Abends oder des Morgens � getan werden muss. Vor oder zurück? Um es länger hell zu haben, stellen wir die Uhr vor. Eine andere Wirklichkeit ist möglich. Zwischen März und Oktober. Wir haben's also schon später, obwohls doch eigentlich erst früher ist. Oder anders: An einem lauen, lichten Abend im Prater: Wir tun so als ob es 20 Uhr 30 sei, doch die Sonne tut als ob es 19 Uhr 30 ist. Und umgekehrt wird dann im Herbst wieder Normalität hergestellt.

Und warum eigentlich Sommerzeit? Die Zeitungsmeldungen gehen auseinander. Das "Zeitzählgesetz" von 1976 strebt in Paragraph 2 "die Erzielung eines Erholungsgewinnes der Bevölkerung Österreichs" an, schreiben die einen. Das freilich unter dem Eindruck der Ölkrise, um durch die spätere Dämmerung Energie zu sparen, schreiben die anderen. Ach ja, Ölkrise. Als Kind der 70er sind für mich ja auch die Februar-Ferien der SchülerInnen bis heute keine Semesterferien, sondern Energieferien. Die Schulen bleiben geschlossen, um Heizkosten zu sparen. So hieß es. Die Krise als allseits plausibler Sachzwang. Die Wahrheit von damals, dass zur Jahrtausendwende die Ölvorräte aufgebraucht seien, heute so patschert wie 'Raumschiff Enterprise'.

Und in den 80ern dann die Sommerzeit. Die getaktete Bevölkerung musste eingestimmt werden auf eine weitere Note. Rückblickend reime ich mir zusammen, dass in den ersten Jahren eine kurze Zeitungsmeldung, eine Teletext-Nachricht, ein kleiner Hinweis in der TV-Programm-Zeitschrift nicht genügte, um lückenlos zu mobilisieren. Wahrscheinlich deshalb verbinde ich in der Erinnerung die Eule und das Wiesel mit der Sommerzeit. Die ORF-Figuren (aus "2x7", der Programmvorschau für FS1 und FS2) huschten mit der Zeitumstellungsbotschaft tagelang über den Bildschirm. Könnte man/frau heute beinahe das Datum übersehen und doch nicht versäumen, bestand damals nötiger Aufwand der Implementierung.

Und 25 Jahre danach? Erholungsgewinn? Energie sparen? Sowohl als auch. Wenn der Tag nach Ende der (Lohn)Arbeitszeit noch weiter läuft, realisiert sich der Erholungsgewinn und bedeutet ein Stückchen Lebensqualität. Und Energie sparen schadet im Zeitalter der Teuerung durch Strommarktliberalisierung auch nicht.