Logo HEUTE

HEUTE
HINTERGRUND
ANGEBOTE
TERMINE
KONTAKT

Claudia Krieglsteiner

Druckversion

2005-09-08

Nepp und Neoliberalismus

Deregulierte und präkarisierte Arbeitsbedingungen sind das eine, steigende Gebühren und Preisen das andere - und zusammen machen sie sehr vielen Menschen das tägliche Leben zum auslaugenden Wettlauf um Selbstverständlichkeiten in der sozialen Existenz.

Damit nicht genug, wird aber auch Konsum immer mehr zur zermürbenden Veranstaltung: Man muss wirklich nicht paranoid sein, um sich von allgegenwärtigem Nepp verfolgt zu fühlen.

Jüngstes Beispiel sind die neu eingeführten Diskont-Handys. Angepriesen wurden sie ja als Geräte, mit denen man einfach mobil telefonieren kann � und sonst nichts. Dafür sollten sie aber auch sehr günstig sein.

Nun konnte man schon beinahe an eine Segnung des freien Marktes glauben, und annehmen, es handle sich um ein Angebot, das speziellen KundInnen-Wünschen entspricht. Weil es eben einerseits immer schwieriger wird, ohne Handy aus den allgemeinen Kommunikations-Rhytmen nicht herauszufallen, und anderseits nicht alle das Geld und die nötige Leidenschaft für ausgeklügelte Modelle aufbringen. Leider wieder nix.

Nach kurzer Freude mit einem "Yess!" stellt sich nämlich heraus, dass die Zeit zwischen erstem Klingeln und automatischem Einschalten der mailbox extrem kurz ist und sich die mailbox grundsätzlich nicht abschalten lässt. Offizielle Begründung: "Es ging ja gerade um ein sehr einfaches Modell ohne Zusatzfunktionen". Plausible Begründung: "Ist der Vertrag einmal unterschrieben, können die KundInnen ruhig merken, dass das Abhören der mailbox bzw. der Rückruf von 'günstig' weiter entfernt sind als bei etlichen anderen Modellen. Bis der Vertrag abgelaufen ist, haben wir uns schon einen neuen Nepp einfallen lassen ..."

Für die heute völlig alltäglichen Güter und Dienstleitungen, die die überwiegende Mehrheit konsumiert (und zum Teil konsumieren muss) Anbieter auszusuchen, um kleine - zu Unrecht in Rechnung gestellte - Beträge zu raufen, Vertragsfristen und Kündigungsmöglichkeiten im Auge zu behalten oder Angebote zu nutzen, das wäre für jeden Zwei- bis Drei-Personenhaushalt heutzutage ein Halbtags-Arbeitsplatz. Aber leider wieder einmal einer, den niemand zu entlohnen bereit ist.