2005-07-20
Ein Salut dem slowenischen Widerstand in Kärnten
"... Ana Zablatnik, die Kärntner slowenische antifaschistische Aktivistin, hat am 7. Mai in Wien bei der zentralen Gedenkfeier der KPÖ anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus einen zentralen Gedanken ausgesprochen: 'Wenn wir bei solchen Gelegenheiten des Kampfes gegen den Nationalsozialismus und jener gedenken, die durch das NS-System zu Tode gekommen sind, dann tun wir dies nicht, weil wir von Rachegelüsten getrieben werden; wir tun dies, weil sich so etwas nie mehr wiederholen darf.' Und wenn wir heute der jungen Menschen gedenken, der Mitglieder der Domen-Gruppe, die hier von einheimischen Nazis aus entsetzliche Weise gefoltert und umgebracht wurden, dann tun wir das nicht nur, um die Opfer zu würdigen, sondern wir tun dies auch, weil wir uns politisch positionieren. Wir leben in einem Staat, in dem ein Bundesratsabgeordneter Wehrmachtsdeserteure als Kameradenmörder bezeichnen und PartisanInnen herabwürdigen darf. In dem ein anderer die Existenz von Gaskammern in Zweifel stellt. In dem ein Landeshauptmann sich weigern darf, Kärntner slowenischen PartisanInnen österreichische Anerkennungen auszuhändigen. Es ist kein Zufall, dass in den offiziellen Programmen des Gedenkjahres der antifaschistische Widerstand so gut wie keine Rolle spielt. Es ist kein Zufall, dass kein Landespolitiker den Weg hier herauf auf den Kömmel gefunden hat, ebensowenig wie auf den Per�manhof. Und es ist kein Zufall, dass sich der höchste politische Funktionär dieses Landes folgenlos und ohne Gefährdung seiner Position weigern darf, ein Urteil des Verfassungsgerichtshofes der Republik Österreich bezüglich der zweisprachigen Topographie zu ignorieren.
(...)
Der slowenische Widerstand in Kärnten hat einen unverhältnismäßig hohen Beitrag im Kampf gegen den Nationalsozialismus geleistet (...) Er war im besten Sinne des Wortes tatsächlich ein nationaler, er hat alle Schichten der Bevölkerung und alle politischen Strömungen einbezogen. Die slowenischen Partisanen und Partisaninnen haben für das eigene Überleben und das Überleben aller gekämpf, die vom Herrenmenschen existenziell bedroht wurden; sie haben in Kärnten die Hoffnung damit verbunden, endlich die deutschnationale Anmaßung loszuwerden. Diese Hoffnung ist im Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrags festgeschrieben, sie ist damit zu einem Verfassungsgesetz der Republik Österreich geworden. Das bedeutet: die Minderheitenschutzbestimmungen sind eben nicht nur ein Anliegen der Kärntner Slowenen und Sloweninnen, sondern ein Anliegen aller demokratisch gesinnten Österreicher und Österreicherinnen. Und dieses Anliegen wahrnehmen heißt auch zu fordern, dass zweisprachige Ortstafeln im gesamten zweisprachigen Gebiet aufgestellt werden, so wie der Artikel 7 es vorsieht.
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Solche Veranstaltungen wie diese heute geben Mut (...) Es geht nicht um Nostalgie, sondern um den Erhalt des antifaschistischen Erbes. Dieses Erbe ist Teil eines anderen Europa, eines anderen Österreich. Und eines anderen Kärnten."
Mag. Walter Baier bei seiner auf Einladung der VeranstalterInnen gehaltenen Festrede anlässlich des 61. Gedenktages der gefallenen PartisanInnen der Domen-Kompanie vor dem Denkmal auf dem Kömmel-Berg/Komelj bei Bleiburg/Pliberk. Die Veranstaltung wird seit 26 Jahren vom slowenischen Verband der Kärntner PartisanInnen/Zveza koro�kih partizanov in partizank und dem Slowenischen Kulturverein "Edinost" in Bleiburg/Pliberk ausgerichtet. An die 1.000 Personen aus Kärnten dies- und jenseits der Grenze nahmen diesmal teil.