2005-03-13
PISA-Bildungswahnsinn
Was soll das Alarmgetue über die PISA-Ergebnisse?
Noch ist offen, ob das Entsetzen über die Ergebnisse der PISA-Studie zu relevanten Veränderungen im Bildungswesen Österreichs führen wird. Möglicherweise war�s viel Lärm um nichts. Den Kritikern der Sparpolitik der schwarz-blauen Regierung kam das schlechte internationale Zeugnis gerade recht. Tatsächlich sitzen in den Unterstufen der Gymnasien so viele Schüler wie schon lange nicht � nur dort wurden diesmal nicht die schlechteren Lese- und Rechenleistungen festgestellt.
Ein Hauptgrund für die schlechten Noten ist der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. So ist das österreichische Lehrlingsausbildungssystem in Europa ziemlich einzigartig. In Skandinavien etwa ist die Berufsbildung schulisch organisiert, und bei einem Vergleich der 10- bis 15-jährigen SchülerInnen sind�s in einem Fall SchülerInnen aus Schulen, in unserem Fall auch Lehrlinge im ersten Lehrjahr. Diese haben zum Teil geblockten Unterricht oder nur einmal wöchentlich Schule, das beeinträchtigt natürlich traditionelle schulische Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Englisch reden.
Nun ist außer Frage, dass diese Kulturtechniken für die Handlungs- und Entwicklungsfähigkeit unserer Jugendlichen relevant sind. Nur könnte man fragen, ob diesen Euroqualifikationen nicht ein etwas eingeschränkter Bildungsbegriff zugrunde liegt, der sich nur auf bestimmtes Element des Arbeitsmarktes bezieht: Austauschbarkeit von Arbeitskräften in Europa und Vergleichbarkeit von Einstiegsqualifikationen.
Es hat sich gezeigt, dass die europäische Vereinigung und die Osterweiterung nicht zu den gigantischen Arbeitskräfteströmen geführt hat, die in Europa hin und her wandern. Diese Flexibilität mit den entsprechenden Grundvoraussetzungen gibt es am ehesten bei mittleren technisch Qualifizierten, das sind bei uns die HTL-AbsolventInnen und, wie international vergleichbar, die Fachschulabgänger - bei denen reicht es aber mit der Bildung.
Was soll also der Alarmismus? Man könnte auch ironisch sagen: Für ein Fremdenverkehrsland wie Österreich, das von seinem Almdodelcharme lebt, wäre es geradezu verhängnisvoll, wenn die Alphabetisierung zu weit fortschreiten würde.