2005-07-10
Prämie für "Trümmerfrauen"?
Die schwarz-blau-orange Koalition übertrifft sich selbst: Der Vorschlag, den so genannten Trümmerfrauen eine Prämie zukommen zu lassen, ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und zwar wird dadurch das Gedenkjahr 2005 endgültig pervertiert.
Dem allgemeinen Verständnis nach wird heuer dem unendlichen Leid gedacht, das die Hitlerbarbarei unter Mithilfe von nicht wenigen ÖsterreicherInnen über die Welt und Österreich gebracht und wie lange es gedauert hat, bis unser Land wieder zu den normalen Staaten gezählt wurde. Statt jene relativ kleine Anzahl von Menschen zu ehren, die in der einen oder anderen Form widerständiges Verhalten an den Tag gelegt haben und diese Haltung in jedem gesellschaftlichem Zusammenhang prinzipiell als wünschenswert dazustellen, wird der "Trümmerfrauen" gedacht. (Die Republik Österreich hat bisher noch nicht einmal die Desertion von der deutschen Wehrmacht entkriminalisiert!)
Abgesehen davon, dass gegen und nach Kriegsende nahezu sämtliche WienerInnen sich in der einen oder anderen Form am Wegräumen des Schutts der zerbombten Häuser beteiligten mussten, um sich einen Weg durch die Stadt zu bahnen, handelt es sich bei den regelrechten Trümmerfrauen um eine ganz besondre Spezies. Und zwar um begeisterte Parteigänger der Nationalsozialisten, die nach der Befreiung aus diesem Grund bevorzugt zur Schuttbeseitigung und zum Ziegelschupfen herangezogen wurden. Da ihnen Mitverantwortung für das Elend zugeschrieben wurde, in die das ganze Land gestürzt worden war, sollten sie tatkräftig an der Beseitigung der Bombenschäden mitwirken.
Unter diesen Gesichtpunkt ist zu überprüfen, ob die Absicht der Bundesregierung, derartigen Personen eine Prämie zukommen zu lassen, unter das gesetzliche Verbot der nationalsozialistischen Wiederbetätigung fällt.