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Lutz Holzinger

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2005-03-20

China & Co.

Bewegung in der

Relativ unbemerkt von den europäischen Staaten und der Europäischen Union gehen in der Welt Veränderungen vor sich, die rasch zu einer Verschiebung der vermeintlichen Pattsituation in der Weltpolitik führen könnten.

Die Lage scheint gegenwärtig von den Vereinigten Staaten dominiert, die vor lauter Kraft (sprich Hochrüstung) nicht mehr laufen können und gleichzeitig angsterfüllt nach potenziellen Feinden Ausschau halten. Bei der Wahl von Bedrohungsszenarien zeigen sie jedoch keine sichere Hand. Statt sich vor den bevölkerungsreichsten Staaten der Welt wie China, Indien oder Brasilien zu zittern, ängstigen sie sich lieber vor abgetakelten autoritären Regimen im Nahen und Fernen Osten wie den Irak, Syrien oder Nordkorea, auf die kein Glücksspieler auch nur einen löchrigen Cent setzen würde.

Bekanntlich bestimmt die Verfügung über die strategischen Rohstoffe Erdöl und Erdgas mit über den künftigen Stellenwert der großen Staaten in der Weltpolitik. Daher ist es bemerkenswert, dass eine Neuverteilung der ökonomischen Gewichte auf dem Gebiet begonnen hat, seit China zu einem einzigartigen ökonomischen Aufholprozess angesetzt hat. In der Bugwelle dieser Entwicklung legen Staaten wie Indien oder Brasilien deutlich zu. Darüber hinaus beginnt Russland auf Grund seiner Bodenschätze im Allgemeinen und Erdöl-/Erdgasreserven im Besonderen wieder eine besondere Rolle zu spielen. Nicht von ungefähr wird Putin vom Weißen Haus ebenso wie von Brüssel hofiert.

Die deutsche Wochenzeitung "Freitag" berichtet: "Seit zwei Jahren kristalliert sich ein Geflecht von Handels- und Wirtschaftsabkommen heraus, deren Urheber Peking, Moskau, Delhi, Brasilia und neuerdings auch Teheran sind. Ende 2002 bereits unterzeichneten vier einflussreiche Nationen einen Handels- und Kooperationsvertrag und nannten ihn BRIC - die Abkürzung für Brasilien, Russland, Indien und China." Dieser Ziegel dürfte der US-Regierung schwer im Magen liegen, zielt das Abkommen doch auf eine eigenständige, von Erdölmultis unabhängige Energieversorgung durch die direkte Beteiligung vor allem von Indien und China an langfristig ergiebigen Fundstätten in aller Welt.

Dieser Emanzipationsprozess der Riesen aus der Dritten Welt wird durch die Nominierung von Paul Wolfowitz zum Weltbankpräsidenten kaum gestoppt werden. Zu groß sind mittlerweile die Profitinteressen, die zahllose Konzerne mit dem stürmischen Wachstum in China & Co. verbindet. Falls aus diesem Trend eine Haupttendenz wird, werden sich auch kleinere Länder, die (wie Venezuela) viel zu bieten haben, dieser Entwicklung anschließen. Sicher ist dabei lediglich, dass Europa, das nur bei der Arbeitslosigkeit auf der Überholspur ist, von diesem Prozess weitgehend abgekoppelt ist.

Es tut sich viel auf der Welt; von dem die heimischen Massenmedien nicht zu wissen scheinen.