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Claudia Volgger

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2005-04-23

Rassismus? Nein, Skinheadverleumdung!

Vorige Woche wurde der Antirassismus-Aktivist Dr. Di Tutu Bukasa von sechs Skinheads zusammengeschlagen und schwer verletzt.

Während das Gros der österreichischen Tagespresse überhaupt nicht berichtete, reagierte der Online-Standard schnell und verlinkte auch zu Alternativmedien. Das Interessanteste an dem Artikel war aber die Reaktion der LeserInnenschaft.

Am ersten Tag überwogen Empörung und Mitgefühl - Zorn auf die Täter, Genesungswünsche an das Opfer: adäquate, wenn auch unzureichende Reaktionen, und sehr viele davon.

Am zweiten Tag setzte die Reaktion ein: Mehrere (anonyme) PosterInnen zeigten sich ebenfalls entsetzt: aber über die "vorurteilsbehaftete" Berichterstattung des Standard. Würden da doch alle Skinheads in einen Topf geworfen und damit übel verleumdet - einigermassen informierte Menschen müssten doch wissen, dass es auch Glatzen ohne rechte Verbindungen, ja sogar dezidiert antirechte Skins gebe.

Um den rassistischen Überfall ging es allerhöchstens noch am Rande.

Die Wiener, sagte Qualtinger einmal, neiden einem noch den Krebs. Da scheinen sie nicht mehr die Einzigen zu sein.

Und es ist nicht nur der Wunsch, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus schön unter die Decke zu kehren, in der gut eingeübten Manier, den Platz des Opfers selbst zu usurpieren - nicht real, natürlich, sondern als symbolisches Kapital, das gestohlen werden kann wie jedes andere auch.

Sondern dieser Platz selbst wird immer attraktiver.

Es scheint, als liesse sich eine Würde des Menschen gerade noch behaupten unter dem Eindruck einer gezielten Demütigung. Keiner aus Sachzwang ohne Ansehen der Person zugefügten. Einer, die so gemeint ist, die jemanden meint, in einer Besonderheit.

Da treten sie dann in Konkurrenz gegen die Besonderheit schwarze Haut, als Grund für einen Überfall, mit der Besonderheit linker Skin, als Grund für "Diskriminierung". Und nachdem das eh alles das Gleiche ist, können sie auf Besonderheit eins eigentlich ohne weiteres verzichten und das Mitgefühl, das rare, selber verzehren. Ohne erst dafür geschlagen werden zu müssen.

Dass eine solche Volte, in ihrer ganzen Absurdität, in einem liberalen Online-Medium nicht als Scherz am Rande eingestuft, sondern diskursbestimmend wird, dass die Redaktion sich gar bemüssigt fühlt, in einem Kommentar den Unterschied zwischen bösen rechten und weniger bösen linken Skinheads nachzuliefern - das beschreibt den österreichischen Status Quo, und die Bedingungen von Antirassismusarbeit hier, recht gut.