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Bärbel Mende Danneberg

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2005-09-28

Töchtersöhne

Sie alle haben es schon einmal vorgeführt: Schüssel, Gehrer, Molterer sind ein musisch bemühtes Team. Zum Klampfenklang wird dem Volk der Marsch geblasen. Nun reiht sich auch Frauenministerin Rauch-Kallat in die musizierende Garde ihrer Partei mit einem Thema ein, das ein alter Gassenhauer ist. Schon im ausklingenden letzten Jahrhundert mokierte sich die Frauenbewegung, dass unsere Heimat eine der großen Söhne sei. Keine Spur von den Töchtern im Land der Berge. Jahrzehnte später reagiert unsere Frauenministerin nun umgehend und schnell. Ihr semantisch holperiger Wunsch zur Textänderung der Bundeshymne: "Heimat großer Töchter, Söhne" (statt großer Söhne), "Einig lass in freud�gen Chören" (statt Brüderchören), "Heimatland, dir Treue schwören" (statt Vaterland) ...

Alle Achtung. Sie hat Mut, unsere Frauenministerin, die traut sich was! Schützenhilfe bekommt sie von Innenministerin Liese Prokop: "Ein alter Bibeltext und ein neuer Bibeltext sind auch etwas anderes." Das BZÖ ziert sich noch, die FPÖ findet das absurd, die SPÖ mokiert sich über den Alleingang und die Grünen begrüßen den Vorschlag, wenngleich er reichlich spät komme.

Unsere Republik ist jedenfalls beschäftigt mit einem Thema, das unter den Nägeln brennt und bis zum Nationalfeiertag "Sitz im Leben" (NR-Präsident Khol) haben soll. Bei der Bundeshymne ist Khol gesprächsbereit, das Andreas-Hofer-Lied lasse er aber nicht ändern.

So wichtig sprachliche Genderkorrektheit ist, so peinlich nimmt sich der Versuch aus, als Frauenministerin damit frauenpolitische Kompetenz beweisen zu wollen. Zeitgleich zur Bundeshymnen-Diskussion veröffentlichte das Wirtschaftsforschungsinstitut eine aktuelle Studie über die vorhandene Einkommenskluft in der Heimat der großen Töchtersöhne. Vor allem Frauen sind durch Ausweitung von Teilzeitarbeit und geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse von der ungleichen Einkommensverteilung betroffen. Die weiblichen Einkommen bleiben merklich hinter jenen der Männer zurück, so das Wifo, im Jahr 2003 lagen sie im Durchschnitt bei 67,2 Prozent der Männereinkommen. Der Abstand war damit um 1,5 Prozentpunkte größer als Mitte der 90er-Jahre.

Das heißt konkret: Unter Frauenministerin Rauch-Kallat hat sich die Einkommenssituation von Frauen markant verschlechtert, ist Frauenarmut gestiegen, wurden Erwerbsarbeitsplätze, von denen Frauen auch leben können, abgebaut. Dazu fällt der Frauenministerin absolut nichts ein � kein Kommentar, kein Textvorschlag, geschweige eine Tat, die "Sitz im Leben" hat. Dafür dürfen die Töchter des Landes sich künftig nach Fußballspielen von den Söhnen besingen lassen.