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Julius Mende

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2005-03-22

Der arme Dürerhase!

Gott schütze unser Haserl

Fünf Seiten war der "Skandal" um die Düreroriginale im Prado der Zeitschrift "profil" wert. Albertinadirektor Schröder hatte zu Beginn der Kampagne um den Dürerhasen einmal anklingen lassen, dass man ihm mit der ungewöhnlich genauen Handhabung der Ausfuhrgenehmigung für Dürers Zeichnungen ein Bein stellen wollte. Seither objektiviert und kalmiert er reumütig. Gesteht seinen Fehler ein und schiebt das Problem der Zuständigkeit nicht mehr einfach auf die Transportfirma ab, obwohl der Verweis auf entsprechende Routine auch stimmen dürfte.

Die Museumsmafia Wiens hat dem smarten Herrn Direktor, der alle Konkurrenten mit seiner spektakulären Öffentlichkeitsarbeit nervt, eins übergebraten. Und die stillen Mäuschen aus dem Bundesdenkmalamt, deren wichtige Arbeit so im Schatten steht, haben sich freudig beteiligt.

Als Kunstliebhaber möchte ich fragen, ob für die Auseinandersetzung mit Dürers Zeichenkunst nicht ein Faksimile, das ja in ausgezeichneter Qualität herzustellen ist, genügt bzw. für die interessierten Betrachter nicht sogar zugänglicher ist, weil man es normal beleuchten kann. Wir bewegen uns im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Handzeichnungen.

Das Aufsehen um die Originale hat mit der Auratisierung der Originalwerke und ihren absurd hohen Geld- und Versicherungswerten zu tun. Vor Jahren hat einer entdeckt, dass Schröders Kollege Seipl vom Kunsthistorischen Museum in seine Ausstellungstitel gerne den Begriff Gold einfügt, das dürfte ihm mit dem Verlust seiner teuren Goldschale vergangen sein. Die Vergoldung der Kunst verweist aber treffend auf ihren Fetischcharakter. Nicht das Werk als solches, seine Aussage, seine künstlerische Gestaltung, sondern der in Geld-Gold ausgedrückte "Wert" fasziniert.

Gerade im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit aller Kunstwerke steigen die Originale in ihren Preisen bei den Versteigerungen. Der Museumsmarkt ist mit dem absurden Kunstmarkt aufs engste verknüpft, zumal das Profitprinzip, das auf Besucherquoten orientiert, beide Sphären der Kunstvergoldung vereint.

Der Dürerhase und seine feinziselierte Zeichentechnik interessiert das Museumspublikum nicht, die könnte man ja an einem guten Druck ebenso studieren. Die Teilhabe an einem pseudoreligiösen Ritual wird mit der Eintrittskarte bezahlt, um in der Aura des Genies und seiner vergoldeten Spuren zu baden. Die Gebetsmühle wird durch die Kopfhörerleier ersetzt und der Wallfahrtsmarkt durch den Museumsshop. Gott schütze unsere Haserl.