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Dagmar Schulz

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2005-08-09

Immer diese Alt68erInnen ...!

Als jüngst die GrazerInnen über 50 von ihrer Stadtverwaltung befragt wurden, ob sie ein spezielles SeniorInnenkommunikationsnetzwerk wünschten, reagierten diese ungewöhnlich aufmüpfig: Viele fragten empört per mail an, ob man sie denn wirklich als unfähig erachte, per Internet, Handy etc. zu kommunizieren und ihre Informationen den Printmedien oder den Rundfunk zu entnehmen.

Auch die Wirtschaft hat mit dieser Zielgruppe offensichtlich ihre Sorgen. Denn irgendwie klappt es nicht, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der/die Schuldigen sind schnell gefunden: Das muss der Geist der 68er sein, der da im Verborgenen Konsumverzicht, Wirtschaftsfeindlichkeit oder gar noch Ärgeres der schönen neuen Welt entgegensetzt.

Schon Wolfgang Schüssel ortete eine "unheilige Allianz" zwischen "Internetkids und Alt68ern", als die Donnerstagsdemos noch wöchentlich den Verkehr in Wien zum Erliegen brachten.

Doch sieht auch hier die Wahrheit ein wenig anders aus. Leider hat der "Weg durch die Instanzen" dieser Bewegung nicht nur ihren Schwung geraubt, sondern seinen Proponenten zum überwiegenden Teil zu Erhaltern eines Sytems gemacht, das zwar gesellschaftlich liberaler, wirtschaftspolitisch aber gnadenloser denn je ist.

Der Jugendkult, der nicht nur die Werbung, sondern auch die Arbeitsmarktpolitik prägt, lässt keinen Platz für die Generation 50+. Erst wieder als schrullige Alte werden sie öffentlich wahrgenommen. Frauen dieser Altersklasse kommen so gut wie gar nicht vor. Viele Menschen - Frauen schon ab 40! -, die ihren Arbeitsplatz verlieren, haben keine Chance, wieder einen adäquaten zu finden und diejenigen, die einen haben, müssen wahrscheinlich noch 15 Jahre bis zu ihrer Pension arbeiten. Da erscheint mir die Erregung über das scheinheilige Angebot der Grazer Stadtregierung doch mehr als verständlich.

Was wiederum den Konsumverzicht betrifft, so scheinen mir weniger ideologische Gründe dessen Ursache zu sein als blanke Zukunftsangst. - Wer wird wann welche Pension bekommen? Wer wird sich Spitalsaufenthalt und Pflege leisten können? Wer muss Kinder und Enkelkinder unterstützen ?

Denn was Menschen egal welchen Alters brauchen, wären eine Grundversorgung unabhängig vom Arbeitsmarkt, kostenloser Zugang zu (Weiter-)Bildung, Kultur, medizinischer Versorgung und die Freiheit, ihr Leben selbst zu gestalten - statt Vorgaben, ab wann man/frau als JugendlicheR/ErwachseneR/SeniorIn zu gelten und wie man/frau sich in diesem Fall zu verhalten habe, um das perfekte Objekt der Zielgruppenwerbung zu sein.