2005-03-27
PISA - Bildung ohne Kunst?
Kunst- plus Lese- und Rechenkompetenz wären nett
Im Bildungsbegriff der PISA-Studien fehlen die für ein "Kulturland" (Jelinek, bitte weghören) relevanten künstlerischen Fächer. Wäre ja auch interessant, mit welchen Messmethoden man die "Kreativfächer" erfassen möchte! Für einen Schüler in Bildnerischer Erziehung gibt Österreich häufig doppelt so viel aus wie für einen Mathematikschüler. Durch die Gruppenteilungen fallen die doppelten LehrerInnenkosten an. Darum kürzt man bei diesen Fächern so eifrig oder bietet sie in der Oberstufe wahlweise an: Musik versus Bildnerische Erziehung.
Internationale Studien verweisen darauf, dass es in den meisten europäischen Ländern diese Fachangebote in den Schulen gar nicht gibt. Die Kinder gehen halt in Musik- und andere Kunstschulen. Klar, was geschieht: Die entsprechend motivierten und betuchten Eltern schicken ihre Kinder in entsprechende Schulen, die anderen gehen leer aus.
Die internationalen Vergleiche haben ihren Reiz, wenn es um Gleichschaltung der inzwischen forcierten nivellierten Bildungsstandards geht. Es muss aber auch klar sein, dass wertvolle Besonderheiten nationaler Schulstrukturen da unter die Räder kommen. Nett wäre reichlich Kunstunterricht plus Lese- und Rechenkompetenz.
Eine verrückte Situation: Plötzlich fordern die Grünen und die FPÖ die Gesamtschule, während die Sozialdemokraten, die diese Schule seit 100 Jahren fordern, das Wort kaum auszusprechen wagen. Die Wirtschaft, die jahrzehntelang das Lehrlingssystem im Dienst des Mittelstandes verteidigt hat, aber zu wenige Lehrlinge ausbildet, schielt nach der finnischen Berufsschule.
Die Sache ist ganz einfach: Sparen bei der Bildung ist verrückt. Eine breite Grundbildung für alle Kinder aller Bevölkerungsgruppen inklusive Kunst und Philosophie entspricht einem demokratischen Bildungsbegriff. Frühe Selektion wie bei uns mit zehn Jahren benachteiligt die Bildungsverläufe der Kinder der breiten Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung, und zwar bis zum Hochschulabschluss (Studiengebühren � Werkstudenten).
Wenn eine neoliberale Politik Schule nur als Produktionsstätte für wirtschaftlich relevante Fertigkeiten ansieht, bleibt Bildung auf der Strecke.