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Michael Graber

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2005-04-25

Herr Kampl

Er heißt Kampl und hat nichts mit dem ehemaligen Betriebsrat und kommunistischen Funktionär gleichen Namens in Fohnsdorf zu tun. Er ist Kärntner Abgeordneter der FPÖ, jetzt BZÖ im Bundesrat und wird demnächst dessen Präsident. Eine der höchsten Funktionen des offiziellen Österreich. Wir schreibem das Jahr 2005. Der Mann hat in seiner Eigenschaft als Mandatar zu Protokoll gegeben, daß Wehrmachtsdeserteure "Kameradenmörder" gewesen seien und beschwerte sich, daß es nach dem Krieg eine "brutale Naziverfolgung" gegeben habe. Hätte er die Äußerungen als "Privatperson" gemacht, wäre er wahrscheinlich klagbar. So aber steht er unter dem Schutz der Immunität. Aber nicht nur. Er steht unter dem Schutz seiner soeben gegründeten Partei. Und er steht unter dem Schutz der Regierung, der diese Partei angehört. Insofern fügt sich diese ekelige Episode in das Geschichtsbild ein, das derzeit von dieser Regierung und den meisten Medien vermittelt wird: Ende des Krieges 1945, Befreiung 1955, dazwischen ein paar antikommunistische "Helden", denen der höchste Orden der Rebublik umgehängt wird.
Wer fragt von diesen Offiziellen der Republik den Herrn Kampl, wieviele Deserteure von den "Kameraden" erschossen oder aufgehängt wurden? Wer bekennt sich zu den Volksgerichtshöfen der ersten Jahre der Republik, die zumindest einige der Kriegsverbrecher und schwerstbelasteten Nazi verurteilt haben?

Die "brutale Naziverfolgung" war nicht brutal. Die Registrierten durften 1945 nicht wählen. Sie hat wenige große und viele kleinere Nazi getroffen. Und ab 1947/48 niemanden mehr. Der kommunistische Chef der Stapo, Dr. Dürmayer, für die Verfolgung der Kriegsverbrecher zuständig, wurde eben wegen seiner Bemühungen abgesetzt.

Und über die Integration der Nazis in die großen Parteien und über sie in alle Bereiche des öffentlichen Dienstes und in die hohen und höchsten Ämter der Republik ist vor wenigen Wochen die Studie über das Beispiel des "Bundes sozialistischer Akademiker" erschienen.

Und überführte Kriegsverbrecher wurden im Österreich der 50er und 60er Jahre freigesprochen, wenn sie überhaupt angeklagt wurden. Und der Prof. Borodajkewycz ... und, und, und.

Politiker sollten sich nicht in solche historischen Dinge einmischen, meint Kampls Chef Haider zu diesem Fall. Und die Regierung hält sich daran. Der Wirbel in den Medien ist endenwollend.

Und wenn der Herr Kampl vielleicht in einigen Wochen doch nicht mehr seine Ämter bekleidet, denn ist er natürlich ein "Opfer" geworden. Wir schreiben das Jahr 2005 ...