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Melina Klaus

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2005-12-18

Alltag in der Republik

Das Rätsel der Globalisierung.

Da wird in den 70ern von einem us-amerikanischen Rätselverlag ein Rätsel veröffentlicht, da heißt es noch "Number Place", da findet es dann in der 80ern seinen Weg nach Japan � denn "der Japaner an sich" liebt ja Zahlenrätsel, wie es nun verlautet � und so kommt es plötzlich frisch benamst und mit fernöstlichem Flair wieder zurück. Nun heißt es Sudoku. Der Neuseeländer Wayne Gould schreibt ein Computerprogramm, das Sudoku-Rätsel generiert und stellt es (etwa Herbst 2004) der Londoner "Times" zur Verfügung. Da wird es dann auch im "Guardian", der deutschen "Zeit" oder im "Handelsblatt" auf die Rätselseiten gehievt. Hierzulande zieht "Der Standard" rasch nach und zu diesem Zeitpunkt (etwa Frühsommer 2005) ist Sudoku irgendwie total bobo. Monsieur Bourdieu hätte seine Freude� Sudoku zu kennen, zu lösen, ja vorgeblich gar süchtig danach zu sein zeugt von bestimmtem kulturellen Kapital, bestimmter Lebenswelt, bestimmtem Habitus. Die einen sind schon süchtig, die anderen haben weder davon gehört noch etwas davon gesehen. Doch schnell machen Sudoku-Bücher Umsätze und downloads beginnen zu kursieren, so setzen andere Medien (etwa Herbst 2005) nach.

Und ganz schnell, wo du hinsiehst, Sudoku. Hierzulande nun in Kurier, Krone, Kleine Zeitung. Sudoku bleibt nicht länger das Vergnügen allein für "Leser". Da bringt mir eine Freundin aus dem USA-Urlaub "In Touch" mit, damit ich in Sachen Aniston vs Jolie auf dem Laufenden bin � Sudoku "the game that's sweeping the country". Da lese ich in einer Bar in Budapest einen abgelegten "Independent" auf � Sudoku. Da fragt mein Freund, was ist das? Da versuch ich ihm zu erklären, was das ist, woher ich das kenne und warum er das (noch) nicht kennt. (Er wird in weiterer Folge wahrscheinlich Sudoku immer mit Satsumas � wie ja jetzt die Mandarinen heißen - verwechseln, die kannte er auch nicht.) Da fahren wir dann im Zug heim, neben uns vier jugendliche UngarInnen, drei davon lösen � Sudoku. In Berlin, Wien, New York, Prag, Budapest, London, Chicago, überall der gleiche Zeitvertreib, das gleiche Spielbedürfnis, in Windeseile verankert, in Windeseile verbreitet. Und schon machen weitere Bücher Umsätze. Lauter gleiche Bücher, doch manche ein bisschen gleicher. So kaufen die einen die gebundenen Ausgaben im Asia-Design, die anderen die "Bastei-Lübbes" �

Und so sei mir ein Schwenk zum Abschied von 2005 erlaubt, ein allerletzter Kommentar zum Alltag in der Republik in anderer Sache: Ziemlich gleich haben alle gewirkt am letzten Sonntag in der Konditorei in Bruck an der Mur. Dort machte ich Rast. Und dachte mir � so ein Sonntag ist schon was Gutes! Her mit dem schönen Leben!