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Dagmar Schulz

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2005-09-16

Neue Schule - ha, ha, ha!

Auf vielen großen und bunten Plakaten wird die "Neue Schule" beworben. Angeblich sei heuer alles anders - neu und besser.

Also eile ich frohgemut in die Schule - und stelle fest, dass alles beim Alten ist. Ein Rundruf in KollegInnenkreisen ergibt das selbe Bild: Nirgends wurden neue Ressourcen geschaffen, nirgends zusätzliche LehrerInnen angestellt, nirgends gibt es zusätzliche Nachmittagsbetreuung.

Die KMS (Kooperative Mittelschule), ein Schulmodell, das extra für Wien kreiert wurde, dümpelt weiter vor sich hin, da es beinahe täglich neue, teils widersprüchliche gesetzliche Verordnungen, Bestimmungen und Weisungen gibt.

Die hochgelobten "Bildungsstandards" beschäftigen wohl eine oder mehrere Arbeitsgruppen in Ministerium und auch Stadtschulrat, haben aber mit der Schulrealität so gut wie nichts zu tun.

Das von einer weiteren Arbeitsgruppe selbstgestrickte Schulverwaltungsprogramm streikt - wie oft in prekären Situationen, vornehmlich zu Schulbeginn und -schluss.

Die SchülerInnenzahl - zumindest an den Wiener KMS/Hauptschulen scheint - entgegen allen Meldungen - eher zu steigen, dies bewirkt, dass in manchen Klassen bereits wieder über 30 SchülerInnen sitzen.

Also keine "Neue Schule"?

Da muss sich frau doch auf der einschlägigen Homepage informieren; diese vermeldet 3 Neuerungen:

Die 5-Tage-Woche sei auf Elternwunsch österreichweit eingeführt worden, heißt es da, außer der Schulgemeinschaftsausschuss beschließe etwas Anderes. Aha. Dumm nur, dass das auch bisher an allen Schulen, wo die Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen dies im Schulgemeinschaftsausschuss beschlossen haben, der Fall war.

Die zweite Neuerung, eine flächendeckende Nachmittagsbetreuung. werde es im nächsten Schuljahr geben, soferne räumliche und personelle Ressourcen vorhanden seien. (Sind sie aber nicht.) Soso.

Die dritte Neuerung sei ein Leseförderungsprogramm, das vom gesamten Kollegium einer Schule zu tragen sei. Fromme Worte, eigenartig nur, dass im Vorjahr die BiblothekarInnenstunden rigoros gekürzt wurden, was selbverständlich auch heuer nicht zurückgenommen wird.

Also erweist sich die großflächig plakatierte Kampagne als veritabler "Schmäh" - das Geld ist anscheinend vor allem in die Bewerbung einer Mogelpackung geflossen ...

P.S. In einer der ersten Konferenzen verkündete mein Direktor dann doch eine bahnbrechende Neuigkeit: Seit Jahren sei unserem Bezirk wieder eine Lehrerreserve (Vertretung für längerfristig erkrankte KollegInnen) zugeteilt worden. "Na, wenigstens etwas!", denke ich ... "für katholische Religion!", lautet der Nachsatz.