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2005-08-11

Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht

Es gab und es gibt viele Menschen in der KPÖ, deren Engagement und Einsatz für eine menschliche Gesellschaft wert ist, Beachtung zu finden. Manche sind - nach vielen, vielen Jahren - von einer interessierten Öffentlichkeit wie auch von den Medien "entdeckt" worden, manche werden für immer "stumme HeldInnen" bleiben. An vorderster Stelle - vor allem jener, die noch leben - zu nennen ist die Halleiner Genossin Agnes Primocic, die gestern - spät, aber doch - das 'Goldene Verdienstzeichen' des Landes Salzburg erhalten hat.

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Fotoquelle: www-uwebolius.at

Am 22. März 2002 wurde in Wien - im nunmehrigen Lokal des Bundesvorstands der KPÖ - die wunderbare Videodokumentation "'Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht", in welcher Uwe Bolius, Robert Angst und Kerstin Dresing das beeindruckende Leben der antifaschistischen Widerstandskämpferin dokumentieren, gezeigt. Agnes Primocic, damals 97 Jahre alt, war dazu extra nach Wien gereist, um ihrer Freude über den Film und über die Tatsache, dass es noch immer Menschen gibt, die für eine andere Welt, eine Welt ohne Ausbeutung, Rassismus und Krieg eintreten, Ausdruck zu verleihen.

Es ist zutreffend, wenn der Pressedienst des Landes Salzburg anlässlich der Verleihung des Goldenes Verdienstzeichen für Genossin Agnes Primocic formuliert, das "Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht", nicht irgendein Titel, sondern ein eindringlicher Appell an alle Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort ist.

Agnes Primocic, geb. 1905, rettete durch ihr mutiges Auftreten - dies zeigt auch das Video von Uwe Bolius, welches der ORF in seiner Erstausstrahlung nur in verstümmelter Form zeigte - 17 KZ-Häftlingen das Leben.

Agnes ist - als eines von sechs Kindern - früh mit der Not und dem Elend der Arbeiterklasse konfroniert. 1917 - im 3. Kriegsjahr - erlebt das junge Mädchen zum ersten Mal die Kraft organisierter Aktionen, als sich die Halleiner Tabakarbeiterinnen gemeinsam wehrten, um die ihnen zustehenden Lebensmittelrationen zu erhalten. Eine Begebenheit, die einen starken und bleibenden Eindruck hinterlässt. "Ich war seit meiner Jugend im Sinne der Solidarität erzogen worden," sagt sie später. Als Betriebsrätin und Gewerkschafterin kämpft sie um Menschlichkeit und Gerechtigkeit. 1934 tritt sie der Kommunistischen Partei bei, deren Mitglied sie bis heute ist.

Auf Grund ihrer politischen Aktivitäten wird sie entlassen, was sie aber nicht an weiterer politischer Tätigkeit hindert. Sie sammelt Geld für die Familien politisch Verfolgter und wird - bereits unter dem Austrofaschismus - mehrfach verhaftet und inhaftiert.

Kurz vor Kriegsende befreit Agnes Primocic, gemeinsam mit ihrer Freundin Mali Ziegeleder, in einer waghalsigen Aktion 17 Gefangene aus einem Außenlager des KZ Dachau am Fuße des Halleiner Steinbruchs.

Agnes Primocic - so schrieb Kerstin Dresing - hat die Frage nach Recht und Unrecht gestellt. Und Agnes Primocic hat die Frage für sich beantwortet und entsprechend gehandelt - ohne Rücksicht auf eigene Sicherheiten.

Nach dem Krieg war sie in ihrer Funktion als Stadträtin für Fürsorge in Hallein verantwortlich für die Errichtung von Kindergärten und deren Versorgung sowie Landessekretärin der KPÖ in Salzburg.

Noch als Pensionistin besuchte sie lange Jahre über als Zeitzeugin Schulen. 1999 wurde Primocic Ehrenbürgerin ihrer Heimatgemeinde Hallein. 2004 erschien im Buchverlag Akzente Salzburg die Publikation "Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht. Die Lebenserinnerungen von Agnes Primocic". 2005 wurde die gleichnamige ORF-Dokumentation gesendet.

"Gegen Unrecht anzukämpfen, hat immer einen Sinn", davon ist Genossin Primocic auch heute noch überzeugt - wie sie auch bei einer Ehrung durch den Bundesvorstand der KPÖ zu ihrem 100. Geburtstag betonte.

Agnes Primocic gehört zu jenen Menschen, "die mehr getan haben, als das, was sie als ihre bloße Pflicht angesehen haben. Das sind Menschen, die mit offenen Augen und Ohren durch ihre Zeit gegangen sind und wahrgenommen haben, was so viele nicht erkennen konnten oder wollten." (SPÖ-Landeshauptfrau Burgstaller bei der Preisverleihung).

PS.: Bezeichnend für das Selbstverständnis der Zweiten Republik ist, dass diese und die SPÖ es in der Aussendung des Landespressedienstes geschafft haben, ihre bis heute aktive Tätigkeit in der KPÖ auszusparen.

Weitere Infos zu Agnes Primocic finden sich hier