Logo HEUTE

HEUTE
HINTERGRUND
ANGEBOTE
TERMINE
KONTAKT

Julius Mende

Druckversion

2005-06-17

Salat mit Kunstspur

Das Obere Belvedere ist ein anspruchsvoller Platz. Es ist auch der geeignete Ort für eine Ausstellung rund um den Staatsvertrag. Freilich hat diese hochqualifizierte Unterhaltungsarchitektur des Barock, dem Partyhaus von Prinz Eugen, für Ausstellungsgestalter einen Haken � sie ist Spitzenarchitektur, mit der man schwer konkurrieren kann.

Architekt Kohlbauer und eine bunte Truppe an ExpertInnen, gut gemischt aus eher Sozialdemokraten und strammen ÖVPlern, haben die Ausstellung gestaltet. Die vielen Köche haben vielleicht den Brei verdorben. Recht banal ist die Grundidee, einem Fahnenband � rot-weiß-rot natürlich � zu folgen, das sich wie eine Schlange durch die herrlichen Räume windet. Das Band versucht in seinen Windungen dem barocken Gewinde zu entsprechen, sieht aber eher aus wie der Triumphbogen für eine Trachtenkapelle. Es fehlt der große Wurf. In das Fahnenband sind Informationsstationen eingeflochten. An einer Stelle spricht es sogar zu uns. Das Fahnenband soll die inhaltlichen Abschnitte und Stationen miteinander verbinden.

Jeder Raum und jede Station hat eine eigens entwickelte Symbolik, die in einem mehr oder weniger gut designten Zeichen mündet. Daneben stehen sehr traditionelle Schautafeln mit einer Fülle unterschiedlicher Materialien � vom Untergang der Monarchie, über Austrofaschismus, Hitlerfaschismus zur Nachkriegszeit, dem Kalten Krieg bis heute. Die historischen Materialien dürften von der bunten ExpertInnenschar verantwortungsbewusst ausgesucht sein, wenn man davon absieht, dass die KommunistInnen wenig bis kaum vorkommen, die in der ersten Phase der zweiten Republik, gestärkt durch die russische Besatzung, aber relativ wichtig waren.

Der Bruch zwischen traditionellen Schautafeln, dem faschingsartigen Fahnenband und der hinzugeklebten Kunst (-spur) ist vielleicht beabsichtigt, aber eine ästhetische Zumutung. Mit einem strengeren, weniger ideenreichen und verspielten Ausstellungskonzept, also die Entscheidung für traditionelle Ausstellungstafeln, hätte man der tollen Architektur demütig Reverenz erweisen können und damit schwachen postmodernen Salat vermieden.

Das widersprüchliche Salatdressing drückt sich vor allem in der Kunst auch inhaltlich aus. Günter Brus war eingesperrt worden, weil er 1968 auf der Uni die österreichische Fahne angeschissen hat. Jetzt dekorieren seine Fotos den Raum mit dem Gegenwartsabschnitt eben dieser Fahne. An anderer Stelle wird Elfriede Jelinek, deren komplizierte Beziehung zu Österreich doch bekannt ist, zur Behübschung dieser Fahnenschlange dazugestellt, ohne Kommentar mit anderen Schriftstellerinnen. Nietsch darf ebenfalls seine Rolle als Staatskünstler spielen und mit einem Schüttbild den Fahnenwächter spielen. Das sind schon starke Stücke von Geschichtsglättung.

Es wären doch Hinweise angebracht, dass sich die genannten Damen und Herren zumindest eine geraume Zeit gegen die glättende Einverleibung in den Republikjubel gewehrt hatten � wie zuletzt die SchriftstellerInnen, die Nennings Austrokoffer nicht mitmachen wollten. Ist man einmal entsprechend berühmt, kann man sich, scheint�s, gegen die Vereinnahmung nicht mehr wehren. Die gestaltenden Künstler hätten doch diese Brüche thematisieren können, statt ungewollte Designbrachialitäten mit Fahnenmief abzuliefern.