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Gottfried Berger

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2005-07-06

Restlinke Seelensplitter (I)

Die Villacher Linke hat ein Privatisierungsproblem: Sie ersäuft im Egotrip und wenn nicht da, dann im Alkohol. Eigentlich haben wir weder Leberwerte noch Zeit dazu. Wir leben auf keiner Insel und politischer Alzheimer verurteilt uns dazu, bereits vorhandene Erfahrungen und Analysen noch einmal zu machen. Was ich sagen will: Inhaltliche Diskussion und politische Gestaltungsfähigkeit auch auf Villacher Boden war schon weiter und auch wir haben falsch oder ungenügend gehandelt.

Vermutlich ist es nichts Lokalspezifisches, aber die in den 70ger und 80ger Jahren außerhalb der Regierungsparteien Politisierten waren eine Bewegung der Kleingärtner - hauptsächlich damit befasst, Zäune zu errichten, sich abzugrenzen und nicht selten auch auszugrenzen. Internationalisten mit beschränkter Haftung und stets bereit zu Konzessionen an kleinbürgerlichen Ressentiments - eine Nachgeburt der bewegten 60iger - kurzum etwas Warmgehaltenes. Insoferne gibt es nichts Neues an Entwicklung zu berichten. Wir sind unserer Sozialisierung treu geblieben! Nach wie vor bündnisfähig bis zur Selbstverleugnung und rundherum offen. "Wer allerdings rundherum offen ist, kann auch nicht ganz dicht sein" war ein beliebter Ausspruch DES verstorbenen Chefideologen der KPÖ.

Wir haben zuwenig um Standpunkte gekämpft und uns der Beliebigkeit ergeben. Die nicht von den Linken besetzten Themen haben andere besetzt. Im gesellschaftlichen - politischen Leben verhält sich ein Vakuum ebenfalls physikalisch - es füllt sich auf mit dem, was sich gerade anbietet. Ein Volk setzt sich in politischer Not und Umnachtung die "(Nacht) Schüssel" auf. Wohl bekommt's!

Apropos politische Sozialisierung: Wer weiß denn 2005 noch, das 1981 (damals) Gemeinderat Manzenreiter gemeinsam mit dem kommunistischen Gemeinderat Raimund gegen eine Subvention der Stadt für das Bundesturnfest 1982 mit dem Hinweis auf dessen rechtsextremen Background gestimmt hat? Bürgermeister Manzenreiter möchte heute sicher nicht mehr daran erinnert werden.

Wer weiß denn, das die Villacher "grüne Elite" auf eine sehr revolutionäre politische Metamorphose zurückblicken kann - von der GRM (Gruppe revolutionärer Marxisten), den Maoisten, über die Friedensbewegung zur Umfärbung ihres roten in ein grünes Herz? Wir sind nicht links, wir sind nicht rechts - wir sind vorne - war ihre Devise. In Nachlese betrachtet sind die Grünen jetzt wirklich ganz vorne - und am Ende angelangt. Sie haben ihren Frieden mit den kapitalistischen Verhältnissen gemacht, reduzieren und entpolitisieren alle halbwegs kritischen Leute auf das Bepinseln kapitalistischer Korrosionsschäden mit grünem Lack.

Man glaubt es kaum, "Genosse" Pfeiler (heute Vizebürgermeister von Villach) trat Anfang der 80iger als Funktionär der Gewerkschaftsjugend dermaßen links und kapitalismuskritisch auf, dass KommunistInnen zum Thema nur mehr Randnotizen machen konnten. Mag. Monika Kircher Kohl - vormals "Dritte-Welt"-Aktivistin mit antiimperialistischer Grundorientierung - heute sagt man dazu politisch unverbindlicher und weniger polarisierend "globalisierungskritisch" - mag ein besonderes Beispiel dafür sein, dass auch "Linke" dem Charme von Macht und Geld unterliegen können. Sie ist keine Ausnahme und befindet sich in guter Gesellschaft mit Streicher, Androsch, Vranitzky, Rudas, Klima usw. Das tut weh! Aber das gesellschaftliche (und damit materielle) Sein bestimmt das Bewusstsein und nicht umgekehrt.

Trotzdem: Villach wäre ohne "Restlinke" auswandernswert. Es ist viel geschehen viel gemacht worden, der "Erfolg" gibt uns nicht wirklich recht. Wir sind nicht mehr und stärker - (trotz Ausbau der absoluten Mehrheit der SP im Gemeinderat), sondern nur älter geworden. Und wenn wir nicht zur Radikalität des jetzt Notwendigen finden, dann können wir ja so weiter machen wie bis jetzt.