2005-03-01
Aus gegebenem Anlass
Gerade rechtzeitig zum Jahrestag des Einmarsches der deutschen Truppen in Österreich und dem historischen Aufruf des Zentralkomitees der KPÖ an das österreichische Volk zum Widerstand gegen die Besetzung geht unsere dem Jahr 2005 gewidmete Website ans Netz. Die Verknüpfung mit Jahrestagen ist alles andere als unproblematisch. "Datumsgeschichte" widmet sich, wie am Beispiel der offiziellen Begängnisse leicht zu erkennen ist, nicht der Aufklärung historischer Zusammenhänge und ihrer Widersprüchlichkeit, sondern der Befestigung des herrschenden Geschichtsbildes, ist Teil des herrschenden Diskurses.
Das offizielle 2005 kann diese Funktion nur unter Ausklammerung wesentlicher Gesichtspunkte und Tatsachen erfüllen. Schon seine drei Fixsterne: 1945: "Kriegsende"; 1955: "Unabhängigkeit/Freiheit" und 1995: "EU-Beitritt" lassen erkennen, dass es vor allem darum geht, die heutigen österreichischen Verhältnisse als die einzig denkbare Alternative zu Barbarei und Diktatur zu unterstellen.
Weitgehend ausgeklammert bleibt aber weiterhin eine umfassende und authentische Darstellung des antifaschistischen Widerstands, der zu wesentlichen Teilen von KommunistInnen und in Kärnten von slowenischen PartisanInnen geleistet wurde, sowie das politische Ringen um die soziale Entwicklung der Zweiten Republik. Soweit Letzteres in Betracht kommt, stellen die etablierten Parteien dieses Ringen als eine Art Fortsetzung des antfaschistischen Kampfes (an dem sie nur marginal beteiligt waren!) unter umgekehrten Vorzeichen, nämlich gegen den Kommunismus, dar. Hier, in dieser Konstruktion einer österreichischen Nachkriegsgeschichte, werden Antikommunismus und kalter Krieg ungebrochen fortgesetzt.
Mit unserer Website wollen wir gegenhalten. Die Stärke unserer Initiative ergibt sich nicht aus den materiellen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, sondern aus der Rolle, die KommunistInnen im tatsächlich geleisteten Widerstand einnahmen, und die sie aus allen anderen Parteien hervorhebt. Einige der Männer und Frauen, die diesen Widerstand unter Einsatz ihres Lebens geleistet haben, befinden sich noch in unseren Reihen. Sie sind es, die in den Veranstaltungen der KPÖ zu Wort kommen sollen.
Die KPÖ hat mit ihrem letzten Parteitag ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufgeschlagen, wozu auch ein differenzierendes und selbstkritisches Geschichtsbild gehört. Durch alle Differenzierung hindurch bleibt aber wahr, dass die KommunistInnen nicht einfach eine Komponente des antifaschistischen Widerstands unter anderen waren, sondern dessen organisatorisches Rückgrat bildeten.
Dieser Tatsache gegen den herrschenden antikommunistischen Kleingeist die gebührende Anerkennung zu verschaffen, ist eine der Aufgaben dieser Website.