2005-06-11
Nationalismus als gesellschaftlicher Grundkonsens
"Wie Braun in Kärnten Rot und Schwarz wurde" - unter diesem Titel erschien vergangenen Sonntag ein Beitrg des Historikers Alfred Elste in der "Kleinen Zeitung". Elste setzte sich in diesem Beitrag mit der schaumgebremsten Entnazifizierung Kärntens auseinander.
Mit dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft in Kärnten ging kein Elitewechsel einher. An den Schlüsselpositionen saßen weiterhin Ehemalige. Noch 1975 waren vier der 20 SP-Abgeordneten des Landtages ehemalige NS-Mitglieder. Die Gründung der VdU 1949 (Verband der Unabhängigen und Vorläufer der FP) als Sammelbecken der Altnazis war willkommener Anlaß, um von den personellen Restbeständen der NSDAP in den eigenen Reihen abzulenken - so die Essenz des Beitrages von Elste. Antifaschismus wurde in Kärnten nie zum gesellschaftlichen Grundkonsens. Dieser Grundkonsens war stattdessen weiterhin Nationalismus als hegemoniales Instrument der Politik.
Die geradezu einträchtige Stellungnahme von Haider und Ambrozy anlässlich des gestrigen Scheiterns der sogenannten "Konsensgespräche" zur Ortstafelfrage und deren Rückverweisung an die Zuständigkeit des Bundes zeigen einmal mehr, dass die politischen Eliten in Kärnten nicht an Lösungen interessiert sind, bzw. vor dem (deutsch)nationalistischen Druck der sogenannten "Heimatverbände" in die Knie gehen.
Heute am 11. Juni von 09.00 bis 10.30 Uhr findet an der Gedenkstätte Loiblpass eine internationale Gedenkveranstaltung statt, welche in der Tradition des Bemühens steht, das ehemalige Loibl KZ Nord in das kulturelle Gedächtnis der Bevölkerung zu rufen. Am Loiblpass mussten von 1943 bis 1945 Deportierte vieler Nationen aus dem KZ Mauthausen den Tunnel graben, durch den heute die Autos von Kärnten nach Slowenien fahren.
Der Landeshauptmann "für alle KärntnerInnen" hätte übrigens Zeit, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Er ist laut Terminplan der Landespressestelle um 11.00 Uhr beim Treffen der Bürger- und Goldhaubenfrauen Kärntens im Rathaus Ferlach, in unmittelbarer Nähe des Ortes der Gedenkgundgebung.