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Melina Klaus

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2005-04-28

Was alles frei ist

In unserem Mietshaus hängen schon lange nicht mehr die 'Spruchplakate' der Katholischen Glaubensinformation. Aber ich habe mir sagen lassen, es gibt sie noch. Diese zweifärbigen, A3-formatigen Kalendersprüche. In den späten 80ern habe ich sie des öfteren vom schwarzen Brett entwendet. Vor allem dann, wenn die Weisheiten unerträglich reaktionär waren. Dies brachte mir ein Erinnerungsstück ein, eine weitere Nachricht am schwarzen Brett: "Lieber Plakatabreißer! Bitte teilen Sie uns mit warum Sie die Spruchplakate abreißen, denn der Großteil in diesen Haus finden sie für gut! Wollen Sie Ihr Gewissen damit beruhigen, leider da müssen Sie bei Ihren zuerst beginnen. Mit freundlichen Gruß, der Plakathelfer." Ich habe also auch ein Herz für Kurioses und sammle es an.

Nun ist im Zuge einer Umräumaktion inmitten von Fotos und Dokumenten ein Spruchplakat wieder aufgetaucht. Nicht irgendeines � nein, das wohl gleichzeitig köstlichste und dümmste, lustigste und traurigste: "Tausende beteten den Rosenkranz (15. 5. 1955), da wurde Österreich frei." Nachsatz: "Bete täglich den Rosenkranz, dann wirst auch du frei!" Ich schätze, es wird 1985 gewesen sein. Schön, dass ich es 2005 gefunden habe. Ein tiefgehender Kommentar erübrigt sich wohl. Sollen wir uns ärgern, lachen? Oder zur Beruhigung einen Rosenkranz beten?

Übrigens, auch Oberösterreich ist frei. Günther Steinkellner, der von der FPÖ ausgeschlossene Parteiobmann der FPOÖ kommentierte die knappe Entscheidung des Landesparteitages für regionale Eigenständigkeit mit den Worten: "Oberösterreich ist frei."

Freiheit scheint ein wohlfeiles Ding zu sein. Sie kann herbeigebetet werden, sie kann im Rahmen einer Farce herbeizitiert werden.

Doch dieser Freiheit ging voraus Befreiung. Davon wird dieser Tage meist wenig vernommen, von Aktiva, Opfern, Engagement ...