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Bärbel Mende Danneberg

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2005-09-06

Schulangst und Elternstress

Das wettermäßige Sommerloch wird durch strahlendes Herbstwetter wettgemacht. Doch leider, statt im Schwimmbad schwitzen ab gestern im Osten des Landes die Kinder und Jugendlichen auf den Schulbänken. Und bei vielen ist es der Angstschweiß, etwa vor einer Nachprüfung. Insgesamt müssen rund 50.000 SchülerInnen zu einer oder zwei Wiederholungsprüfungen antreten, in Wien sind es rund 8.000 AHS- bzw. BHS-SchülerInnen.

Wie jedes Jahr zu Schulbeginn wird nicht gespart mit Rezepten gegen Schulangst und Elternstress. Auch die Medien warten mit mehr oder weniger brauchbaren Ratschlägen für den Schulbeginn auf und zitieren Wortspenden von PsychologInnen und PädagogInnen. Auch das passiert jedes Jahr wieder: Die Suche nach den Übeltätern. Die Hauptschuldigen an der Schulangst seien die Eltern, die ihre Kinder zu sehr stressen, trimmen und überfordern würden, heißt es neuerdings vermehrt. "Nicht die Lehrer, sondern ehrgeizige Eltern erzeugen heute den Leistungsdruck", schreibt zum Bespiel der "Kurier" am vergangenen Sonntag.

Es mag schon stimmen, dass Eltern ihre Kinder mit diversen Nachmittagsprogrammen voll stopfen, sofern es der Geldbeutel erlaubt - heute Klavier, morgen Theater, übermorgen Kampfsport oder Ballett - oder ganz banal Nachhilfestunden für den Nachzipf. Denn offensichtlich reichen zwei Stunden Lernen, die ein Durchschnittsschüler nachmittags über den Büchern paukt, nicht aus für die Bewältigung des Schulstoffes. Auch dann nicht, wenn die Eltern beim Lernen helfen, was bei rund der Hälfte regelmäßig der Fall ist.

Doch warum machen die Eltern denn das? Weil sie masochistisch mathematische Formeln büffeln oder weil sie so gerne ihre Kinder quälen wollen? Dass der Nachwuchs fit gemacht werden soll für das Bestehen in einer Konkurrenz- und Ellenbogengesellschaft, in der die Jagd auf Lehr- und Studienplätze für viele zum (auch finanziellen) Hürdenlauf gerät, wird dabei oftmals übersehen. Da ist es müßig zu raten, "Eltern sollten auf die Interessen, Fähigkeiten und Neigungen ihrer Kinder achten und ihnen auch uneingeteilte Freizeit lassen" ("Kurier"). Richtig, richtig, doch wo wird heute nicht auf die Noten im Abschlusszeugnis geschaut, wenn es um das Ergattern eines Lehrplatzes geht? Auch wird heute schon ganz offen darüber nachgedacht, dass zusätzlich zum Auslesekriterium Studiengebühren auch gute Noten ein Zulassungskriterium für einen Studienplatz sein könnten.

In einer Gesellschaft, in der Elitenförderung mit absichtlicher Verwahrlosung Jugendlicher durch nicht vorhandene Ausbildungs- und Arbeitsplätze einhergeht, muss es niemanden wundern, wenn Eltern ihren Kindern Letzteres ersparen wollen. Und sei es durch Zwang und Druck und Ehrgeiz für das Erwerben von Zusatzqualifikationen. Schließlich wissen schon die Kleinsten aus dem Fernsehen, dass nur die Besten und Härtesten durchkommen. Und letztlich wollen sie alle nur das Beste für ihre Kinder, aber das kriegen sie leider nicht.