2005-07-18
I�m lovin� it
Am 27. Juli 1977 eröffnete
"McDonald's"
(am Schwarzenbergplatz in Wien) seine erste Filiale in Österreich. Mittlerweile ist die Fast-Food-Kette in Österreich mit 162 Restaurants vertreten. 7.500 Mitarbeiter sorgen dafür, dass sich jährlich über 100 Millionen Gäste bei der (laut Eigenbeschreibung) typischen 'McDonald's Experience' wohl fühlen. Der Umsatz betrug im Jahr 2004 ca. 312 Millionen Euro. Stolz wird auch verkündet, dass die "Österreicherinnen und Österreicher nach den Schweden zu den treuesten McDonald's Gästen weltweit" zählen.
Die McDonald's Corporation ist der
"weltgrößte Fast-Food-Konzern".
31.000 Restaurants gibt es in 119 Ländern - 2004 belief sich der Gesamtumsatz auf 19 Mrd. $, der ausgewiesene Gewinn betrug 2,28 Mrd. $.
Und weil Profit zwar wichtig, aber nicht alles ist - sofern man der PR-Abteilung glaubt -, engagiert sich McDonald's natürlich für soziale Anliegen. So gibt es mittlerweile McDonald's Häuser in vier Städten in Österreich. Diese bieten ein "Zuhause auf Zeit" für Eltern schwerkranker Kinder - so wird ermöglicht, dass Eltern, deren Wohnort weitab eines Krankenhauses sich befindet, "die Kinder in der schweren Zeit der Behandlung" begleiten können. Denn: "Für die kleinen Patienten ist die Nähe und der Trost der Eltern genauso wesentlich wie eine erstklassige medizinische Versorgung."
Aber nicht nur Österreich tut McDonald�s Gutes. Über 230 solcher - von McDonald's gesponserter - Häuser finden sich "in 23 Ländern auf allen Kontinenten, weit über 3000 Betten stehen zur Verfügung. Und weitere Häuser sind bereits in Planung."
McDonald's gibt aber auch ein Vermögen für konventionelle Werbung aus, damit das Image eines fürsorglichen und umweltbewussten Unternehmens keine Kratzer bekommt. Doch KritikerInnen schweigen trotzdem nicht. Die Liste der Vorwürfe, mit welchen McDonald's immer wieder konfrontiert wird, ist lang.
Die Angestellten, meist ausländische Arbeitskräfte, würden miserabel bezahlt ("McJobs") und Überstunden nicht abgegolten, die Organisierung der Angestellten in Gewerkschaften behindert.
1979 war einer internen Dienstanweisung für Einstellungsgespräche in Deutschland z. B. zu entnehmen: "Wenn sich der Bewerber (nach einer gezielten Fall-Frage) über seine Beiträge zur Gewerkschaft äußern sollte, wissen Sie, daß Sie ihn nicht einstellen sollten." (Das Brot des Siegers, S. 108 ff). Ebenda wird auf den Kampf der deutschen Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuß, Gaststätten) gegen McDonald's verwiesen. Es heißt: In der Dokumentation "Kritisch betrachtet: McDonald's" zeigte die NGG auf, "wie die Buletten-Kette nach US-amerikanischem Muster Sozialdumping betreibt: In Personalfragebögen beziehungweise Arbeitsverträgen wird der Arbeitnehmer zu Mehr-, Nacht-, Sonn-, Schicht- und Feiertagsarbeit verpflichtet, ohne daß gesagt wird, welchen Anspruch er erhält. Beim Urlaubsanspruch, dem Urlaubsgeld, Arbeitsvertragsbruch und den Kündigungsfristen verstößt - laut NGG-Dokumentation - McDonald's teilweise gegen geltende Tarifverträge des Gastgewerbes. Die 'Arbeitsanweisung Lohn für Management' - streng vertraulich - liest sich wie ein Billigkatalog zur Umschiffung der bundesdeutschen Gesetzgebung."
Einen Einblick in die umstrittene Arbeits- und Hygienesituation in den Restaurants lieferte Günter Wallraff im Jahre 1975, der sich für die Arbeit an seinem Buch
"Ganz unten"
als Türke "Ali" verkleidete und u. a. für kurze Zeit bei McDonald's arbeitete. Er deckte katastrophale Verhältnisse bei McDonald's auf: "Der Arbeitsplatz hinter der Theke ist eng, der Boden schmierig und glatt, die Grillplatte glühend heiß bei 180 Grad Celsius. Es gibt keinerlei Sicherheitsvorkehrungen. Eigentlich müßte man Handschuhe bei der Arbeit tragen, das schreiben jedenfalls die Sicherheitsbestimmungen vor. Aber es gibt keine, und sie würden die Arbeit nur verlangsamen. So haben viele, die dort länger arbeiten oder gearbeitet haben, Brandwunden oder Narben von Brandwunden. Ein Kollege mußte kurz vor meiner Zeit ins Krankenhaus, weil er in der Hektik direkt auf den Grill gefaßt hatte. Ich (Ali) hole mir gleich in der ersten Arbeitsnacht Blasen wegen der aufspritzenden Fettropfen. (...) In den Pausen organisiere ich (Ali) mir ein Testessen. Als ich (Ali) Hühnchen esse, diese Nuggets, werde ich auf Anhieb mißtrauisch: das könnte auch Fisch sein. Das hat so einen leichten Nachgeschmack. Bei der Apfeltasche habe ich (Ali) auch den Eindruck: Mensch, ist da nicht wieder Fisch im Spiel? Erst nach einiger Zeit merke ich, woran das liegt. In unseren Riesenbottichen ist siedendheißes Fett. Abends wird das Fett aus jeder Wanne durch den gleichen Filter geleert und weiterverwendet. Das heißt, Apfeltaschenfett, Fischfett, Hühnerfett, alles durch denselben Filter. Das gleiche Filterpapier wird für zehn Wannen gebraucht."
Lange Jahre ganz oben auf der Liste der Vorwürfe stand auch, dass Burger-Produzenten wie McDonald's aufgrund der Rinderzucht auf riesigen Farmen in Lateinamerika verantwortlich sind für die Abholzung des Regenwalds und die Vertreibung indigener Bevölkerungen.
Viele der großen Fast-Food-Ketten kaufen zudem Futtermittel in Südamerika ein, was ebenfalls häufig die Abholzung des Regenwalds zur Folge hat, da nur so neue und weitere Anbauflächen gewonnen werden können. Statt Weizen und Mais, lange Zeit Grundnahrungsmittel von Entwicklungsländern, wurden - auch gefördert von nationalen Regierungen - immer mehr Futtermittel für die Fleischproduktion angebaut. "Die Kühe der Reichen fressen das Brot der Armen", lautete ein Slogan von Kritikern. Was insofern gerechtfertigt ist, da für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch bzw. Fleischnebenprodukten cirka die 7fache Menge an Getreide notwendig ist.
Von den Autoren des Kassenschlagers "Schwarzbuch Markenfirmen" wurde McDonald's mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die Comic-Figuren der so genannten "Happy Meals", die in über 30.000 McDonald's Restaurants weltweit vertrieben werden, von Kindern und Jugendlichen - z. B. in Zulieferbetrieben in Vietnam oder China - unter menschenunwürdigen Umständen produziert werden. Laut den Autoren schuften ArbeiterInnen und Kinder dort für 1,49 Euro - fünfzehn Stunden pro Tag. Wobei der Sonntag bei vollen Auftragsbüchern nur der letzte Wochentag ist. Die Übernachtung in einem Firmenschlafzimmer mit bis zu sechzehn Betten (Holzpritschen ohne Matratzen) kostet 4,- Euro pro Monat.
Kritisiert wurde und wird auch, dass für die Verpackung der Hamburger Einwegmaterial verwendet und dass aufgrund der langen Transportwege und der für viele Produkte vom Hersteller bis zum Endverbraucher notwendigen durchgehenden Kühlkette viel Energie aufgewendet werden muss - was vom umweltpolitischen Standpunkt mehr als suboptimal ist.
PS.: Schon Mitte der 80er Jahre rief Greenpeace in London zu einem Welt-Aktionstag gegen McDonald's auf. Dieser findet jährlich am 16. Oktober statt.
Weitere Infos in "Schwarzbuch Markenfirmen" (Werner/Weiss) und "No Logo!" (Naomi Klein). Empfehlenswert auch das 1985 im Lamuv Verlag erschienene Buch "Das Brot des Siegers: Das Hackfleich-Imperium" von Christiane Grefe, Peter Heller, Martin Herbst und Siegfried Pater.