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Dagmar Schulz

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2005-06-07

Die Macht der Frauen

Jubelberichte über ("Sind Frauen die besseren Politker? sic!) und Porträts von Politikerinnen ("Die mächtigsten Frauen der Welt") haben es - seit die konservative Politikerin Angela Merkel als Kanzlerinnenkandidatin in unserem Nachbarland gehandelt wird, auf die wichtigeren Seiten unserer Printmedien geschafft.
Dass sich diese Artikel nicht mit der Frage , ob bzw. wie Politik von Frauen auch Politik für Frauen sein könnte, auseinandersetzen, wundert ebenso wenig wie das Ignorieren von Männerbündnissen und Männerstrukturen, die nur ganz bestimmte Verhaltensweisen von Frauen in der Politik akzeptieren.

Doch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen, die Frauen betreffen, hätte sich frau sowieso nicht erwartet.

Allerdings werden in diesen Artikeln auch ganz simple Tatsachen verschwiegen.

Etwa, dass Frauen - und damit sind nicht einige superprivilegierte Politikerinnen gemeint - immer noch im Durchschnitt rund 40% weniger als Männer verdienen. Ursachen hiefür sind ein geringeres Starteinkommen, familienbedingte Karriereunterbrechungen, Benachteiligungen durch Teilzeitarbeit und prekäre Beschäftigung und die Tatsache, dass viele Frauen nicht ihren Qualifikationen entsprechend eingesetzt werden.

Bis zu 10% der Beschäftigten haben trotz Arbeit kein existenzsicherndes Einkommen - und von diesen Wenigverdienenden sind 72% Frauen!16% der Frauen haben weder eine eigene noch eine Witwenpension, aber auch diejenigen, die eine Pension beziehen, erreichen im Durchschnitt nur knapp mehr als die Hälfte der mittleren Männerpensionen.

Frauen werden wegen ihres niedrigen Einkommens durch die Erhöhung von Gebühren, durch Selbstbehalte und durch die Pensionsreform stärker getroffen als Männer.

Letztlich führt diese Einkommensschere dorthin, wo die konservative Gesellschaft die Frauen sehen will: nämlich in die Abhängigkeit von Männern, wo sie - ohne den Arbeitsmarkt allzusehr zu belasten - ihren gottgewollten Tätigkeiten nachgehen können: Putzen, kochen und pflegen im informellen Sektor und ohne Bezahlung selbstverständlich. Mit wohligem Schauer können Otto und Ottilie NormalverbraucherIn dann die "mächtigsten Frauen der Welt" auf Hochglanz bestaunen - denn eines ist durch Merkel, Rice, Ferrero-Waldner & Co. bestimmt nicht in Gefahr: Die Gesellschaftsordnung, die Frauen zwei Drittel der geleisteten Arbeit für ein Drittel des Lohnes und einen verschwindenden Anteil an den Produktionmitteln zuweist.