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Dagmar Schulz

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2005-04-16

Bilder einer Ausstellung

Es handelt sich um einen der unzähligen Beiträge zum "Bedenken"jahr. Da frau sich zur entsprechenden Zeit in der Nähe der Burg Schlaining, wo die Ausstellung gerade zu sehen war, aufhielt, lag ein Besuch derselben nahe.
Zunächst gibt es einige großformatige Bilder zu sehen, die das Ausmaß der Zerstörung nach einem Krieg illustrieren. Querverbindungen drängen sich auf: Welch ein Wahnsinn � 42 kriegerische Auseinandersetzungen sind derzeit auf der Welt im Gange, Krieg verspricht beste Geschäfte und hohen Profit ....

Im nächsten Raum sind interessante Fotos ausgestellt, die verschiedene Menschen in Alltagssituationen während der Nachkriegszeit zeigen. Doch dann wird es politisch: Erich Lessing war jener Fotograf, der das berühmte Foto der Unterzeichner des Staatsvertrags am Balkon von Schloss Belvedere aufgenommen hat. Außerdem hat er so gut wie alle Vertreter (-innen sind wenige darunter) der großkoalitionären Regierungsmannschaft der Nachkriegzeit und etliche Prominente porträtiert � die Bildunterschriften dazu hat laut Angaben der Verantwortlichen für diese Ausstellung seine Frau verfasst.

Staunend erfährt frau etwa, dass Leopold Figl 1902 geboren und 1938 ins KZ eingeliefert wurde. Die 36 Jahre dazwischen versinken ebenso in Vergessenheit wie die einschlägige Vergangenheit von Julius Raab, Karl Renner und Kardinal Innitzer. Vom "Friedenskaiser Karl" ist ebenso die Rede wie vom "Putschversuch" im Februar 1934 � faschistischer Ständestaat, "Ostmärkische Sturmscharen" und Heimwehr sowie der Zusammenhang dieser autoritären Struktur mit der späteren NS-Herrschaft sind kein Thema.

"Man merkt die Absicht und ist verstimmt" � meinte Erich Kästner und trifft damit des "Pudels Kern": Nicht eine gewissenhafte historische Aufarbeitung ist der Zweck dieser Ausstellung, sondern ein Verfestigen der "Staatsvertragsmythen" aus den muffigen 50er Jahren. Die Befreiung des Geistes hat noch nicht stattgefunden und ist wohl von höchster Stelle auch nicht erwünscht ...

Übrigens nahm ich per email Kontakt mit der Verantwortlichen für diese Ausstellung auf. Zuerst zeigte sie sich gesprächsbereit, da ich sie auch auf einige inhaltliche Fehler aufmerksam machte, und wollte sich mit mir treffen, um diese zu besprechen. Als ich einen Termin vorschlug, herrschte Funkstille. Ob die Suchmaschine "google" da etwa einen Hinweis auf die KPÖ ausgespuckt hat?