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Bärbel Mende Danneberg

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2005-12-13

Kaufen, kaufen, kaufen

Zur Weihnachtszeit sind die Herzen und Brieftaschen weit geöffnet. Schon seit Tagen ist es DIE Spitzenmeldung im ORF: Das Weihnachtsgeschäft läuft so gut wie schon lange nicht, endlich, endlich stürmen die KundInnen die Geschäfte, auch am 8. Dezember herrschte in den Einkaufsmeilen dichtes Gedränge. Das Shoppen als Familienevent. Und bevor die Packeln nach Hause verfrachtet werden, genehmigen wir uns einen kräftigen Schluck am Punschstandl. Ist ja schließlich alles für einen guten Zweck, also noch einen und noch einen.

Auf der Flucht vor den vielen Adventmärkten in Wien, die mit dem immer gleichen Plunder und Kitsch um KäuferInnen buhlen, zeigt sich auf dem Weg ins Waldviertel das gleiche Bild: Adventmärkte in den Schulen und Kulturräumen der Dörfer, in diversen Schlössern, im Stift, Weihnachtsbasare in den Fußgeherzonen. Überall wird schrill und grell und mit der alles überflutenden Punschfahne für Weihnachtsstimmung geworben, die direkt aufs Geldbörsel zielt. �Stille Nacht� und �Marry Christmas� in den Einkaufsmeilen, auch die regionalen Radio- und Fernsehsender überschlagen sich mit freudigen Meldungen über erzielte Umsätze an den langen Samstagen und am Marienfeiertag.

Die Frohbotschaft ist klar: Den Leuten geht es gar nicht so schlecht, wie der Caritas-Präsident dieser Tage Glauben machen will, uns geht�s gut, vor allem der Wirtschaft. Und deshalb muss das Konsumieren rund um die Uhr möglich werden, Tag und Nacht, Sonntags und Feiertags. Wie durch ein Weihnachtswunder scheinen die Menschen im Überfluss zu leben und kaufen, kaufen, kaufen. Armut im Land? Not? Aber wo denn.

Dass die KonsumentInnen beizeiten zu Kauftrotteln erzogen werden sollen, denen man jedes noch so blöde Bedürfnis aufschwatzen kann � Hauptsache die Wirtschaft boomt -, dafür sorgt auch die Kinderveranstaltungs-GmbH, ein Unternehmen der Soravia-Unternehmensgruppe, mit ihrem jüngsten Produkt Minopolis, einer �Kinderstadt� für Vier- bis Zwölfjährige. Dies sei ein neuer Wirtschaftsfaktor für Wien, lobte auch der Bürgermeister zur Eröffnung am 26. November, man erwartet rund 330.000 BesucherInnen pro Jahr, das Potenzial beläuft sich laut Markterhebung auf 785.000 Besuche. Das Besondere an Minopolis ist, dass die Kleinen dort alles haben und benutzen können, was es auch in der Erwachsenenwelt gibt, nur ein bissl kleiner: Stylingstudio, Autowerkstatt, Kunstakademie, Bäckerei, Müllentsorgung, Supermarkt, Chipfabrik etc., das AMS hilft sogar bei der Arbeitsuche. Bei einer Bank kann man sich einen Kredit holen, Millionen Eurolinos lagern dort im Safe und eine Polizeiwache sorgt für Ordnung. Da in Minopolis aber alle brav sind und vor allem brav kaufen und konsumieren, ist die eigentlich überflüssig.

Nun meinen beherzte Eltern, die für 12 Euro Eintrittgeld pro Kind Minopolis-Geburtstagsfeiern organisieren, dass die Kleinen dort wirtschaftliche Abläufe kennen lernen würden, eben das �echte Leben�, wie es auch die Homepage verspricht. Das echte Leben? Wo bleibt dann aber die �Gruft� für Obdachlose, die Schuldnerberatung, das Geriatriezentrum für Alte, das Asylwerberheim, der Bahnhofssozialdienst, die Notschlafstelle, das Flüchtlingsheim, das Kinderschutzzentrum, das Frauenhaus, die Klostersuppe, das Aids-Zentrum, ja wo bleibt eigentlich der Sexshop, der Arbeitsstrich? Diese Wirklichkeit ist ja nicht gemeint. Das gute �wirkliche Leben� heißt shoppen, shoppen, shoppen.