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Claudia Volgger

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2005-05-19

Das Vorbild der Trümmerfrau

So klaglos, wie diese Frauen ihre Männer und Söhne in einen Angriffskrieg ziehen liessen, in einen Vernichtungskrieg dann, und noch jahrelang, als der schon verloren war; so klaglos, wie sie in die Fabriken gingen, um den verlorenen Krieg verlängern zu helfen; so klaglos räumten sie dann die Resultate auch ihres Tuns, besagte Trümmer, aus dem Weg, und machten diesen, klaglos, endgültig frei, indem sie sich zurück an den Herd begaben, als ihre ausserhäusliche Arbeit für die Volksgemeinschaft wieder verzichtbar wurde.

So hätt uns die Frau Haubner also gern: wen wundert's? In Zeiten der EU-Aufrüstung und der Zerschlagung des Sozialstaats ein nicht unangemessener Wunsch.

Dass diese zeitlosen Vorbilder ihr Almosen nur entgegennehmen sollen, wenn sie erstens geboren haben, zweitens angemessen arm sind und drittens der Finanzminister zustimmt, ist nur jene Portion absichtsvoll demütigende Frechheit, ohne die FPÖ-Politik einfach nicht authentisch wäre.

54 Prozent einer zufälligen Auswahl von 1000 ÖsterreicherInnen, sagt eine andere Zeitungsmeldung, halten einen neuerlichen Holocaust in Zukunft für möglich. Der höchste Wert in einer in mehreren Staaten durchgeführten Befragung.

Was heisst das? Was denken sich diese Leute, wenn sie bei einer solchen Frage: ja, wahrscheinlich; oder: sehr wahrscheinlich, ankreuzen? Dass die Juden es schon wieder zu weit treiben? Dass es wieder mal an der Zeit wäre, das eine oder andere Möbelstück günstig zu erwerben?

Oder einfach nur, dass so was halt immer mal wieder passiert, die Welt ist schlecht, und was soll man schon machen?

Sollten unter den zu "ehrenden" Trümmerfrauen auch ehemalige KZ-Wärterinnen sein, dann sicher nur ein oder zwei. Vielleicht eines von den Mädchen, die als Aufseherinnen der Todesmärsche knapp vor Kriegsende noch erleben durften, wie es ist, wenn frau jede Agression an ihr völlig ausgelieferten Menschen umstandslos ausleben kann, bis zur Vernichtung.

Also ein minimaler Prozentsatz an Mörderinnen, sicher. Von der Mittäterin zur Täterin aufzusteigen, ist ja auch ein fast unweiblicher Ehrgeiz, der nur bei einigen wenigen in Erfüllung gehen kann, nicht wahr, Frau Haubner?

Die Republik ehrt ihre Trümmerfrauen (wenn der Grasser das Geld gibt). Die Opposition schläft (Grüne) oder protestiert systemimmanent (gegen den Betrag, und die Almosenhaftigkeit der Aktion - SPÖ-Frauen). Die Zivilgesellschaft nimmt zur Kenntnis. Die 54 Prozent sind realistisch.