2005-05-20
Tatort: Kinder der Gewalt
Tatort: Kinder der Gewalt
Ja, ganz im Ernst, DER Tatort.
Eventuell wurde die Ausgabe mit dem Titel �Kinder der Gewalt� sogar extra für's Gedenkjahr 2005 gemacht. Es ist aber auch anders denkbar, weil der Tatort als Ko-Produktion von ARD-ORF-SRG einen letzten kulturpolitischen Rest bildet, aus einer Zeit, als die sozialistische Politik noch nicht sozialdemokratische hieß, die Öffentlich-Rechtlichen selber noch glaubten, dass sie einen Bildungsauftrag haben und eben noch nicht alle dem neoliberalen Zeitgeist vollständig unterlegen sind.
Da kämpfen die lesbische Kommissarin, der Jugoslawe Bratic, die beiden (Ex-)DDRler und das Duo Baldauf /Schenk als deutsche Kriminalisten also für das Gute, ohne die unerträgliche Selbstgerechtigkeit von einem Dereck und mit der nötigen ironischen Distanz zu ihrem Job und dem ganzen Gut/Böse-Ding insgesamt.
Der Plot: Eine deutsche Schule. hölzerne LehrerInnen-Figuren, die mittels "philosophischer" Monologe vorgestellt werden. Die ältere Kollegin resigniert, zynisch. Die junge Kollegin, eine die noch "dran glaubt", aber halt sehr naiv ist.
Ein Junge wird erschossen, regelrecht hingerichtet.
An der Schule gibt es Spannungen, Auseinandersetzungen zwischen den deutschstämmigen und türkischen SchülerInnen.
Der Verdacht schwankt 65 Minuten zwischen unterschiedlichen Zielpersonen hin- und her. Eine Gruppe von türkischen Jugendlichen � die Mädchen der vorherrschenden Debatte gemäß mit Kopftuch � ist es, obwohl vieles dafür spricht, mit Sicherheit NICHT gewesen.
Darauf kann man sich von Beginn an verlassen. Und das ist schon irgendwie okay, dass man eben weiß, wenn man Tatort anschaut, dann waren es nicht DIE Türken.
Das ist aber noch nicht alles. Ein bisschen zu bemüht und stereotyp ist der Täter dann tatsächlich der blonde Deutsche, autoritärer Charakter, nationalistisch, faschistisch, im patriarchalen Muster von Verrat, Rache und notwendiger Auslöschung gefangen. Er wird gefasst. Ende der Geschichte.
Aber auch dazu bleiben die guten Deutschen auf innere Distanz: "Kinder sind fremde, verschlossene Welten", meint Kommissar Baldauf.