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Julius Mende

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2005-05-09

Feste alte(r) Männer

Autoritarismus und die Herrschaft alter Männer wurden bei den vergangenen Papstorgien reichlich gefeiert. Allerdings liegt mir ein Foto vor vom Treffen der Regierungschefs Europas � auch lauter alte Männer. Man lässt sich täuschen durch die Zunahme der Frauen von der zweiten Reihe abwärts.

Beim ersten Gottesdienst des neuen Papstes, in den brave Katholiken ja wieder erstaunliche Hoffnungen knüpfen, erwiesen sie dem neuen Alten ihre Ehre, meist mit den Frauen am Arm, wissend, dass diesen in der Kirche nicht einmal priesterliche Ämter zugänglich wären. Die katholische Kirche ist eine ideologische und eine ökonomische Macht, vor der die Politiker, im Schielen auf die Wählerstimmen, ihre Unterwerfungsgesten machen � auch unser Herr Bundespräsident. Sie legen sich zwar nicht flach auf den Boden wie frisch angelobte Priester und Kardinäle und küssen nur ausnahmsweise den Ring des Heiligen Vaters. Wie befremdlich ist es doch, wenn im Iran die alten Mullhas sich abfeiern lassen, die jüdischen Würdenträger an die Klagemauer treten und die amerikanischen Präsidenten ihre Herrschaftsrituale abspielen � meist Festspiele alter Männer, allenfalls Gattinnen am Arm.

Was hat eine Gesellschaft des freien Westens für ein Recht, sich über die islamischen Fundamentalisten zu empören, wenn sie selbst den Massenwahn um die beiden Papstfestivals in für mich unerträglicher Weise anpeitschen. Welche Bedürfnisse andererseits treiben Massen junger Menschen, sich die Verkleidungsspiele und die Rauchzeichen der uralten Oberschamanen anzusehen bzw. in Massen nach Rom zu fahren, wissend, dass sie nichts sehen werden?

Die Masseninszenierungen vom Fußballplatz bis zum Petersplatz machen mir Angst. Sie erinnern mich an die Nazizeit. Uralte Kampf- und Herrschaftsrituale werden hier abgezogen und durch die neuen Informationsmedien über die ganze Welt verbreitet, von ernsthaften Kommentaren begleitet. Niemand stößt sich daran, dass der verstorbene "Friedenspapst", der Befreier des Ostens, von mittelalterlich verkleideten, aber immerhin von Soldaten zu Grabe geleitet wird. Was unterscheidet den Personenkult vergangener Regime von den Großprojektionen der Köpfe der heiligen Väter außer den Pixels. Wie nahe sind die altherrlichen Grußarme dem Hitlergruß.

Eigentlich scherze ich nicht. Für mich sind diese Massenaufmärsche, dirigiert von männerbündischen Altherrenriegen präfaschistisches Massenturnen. Wie man sehen kann, sind die Inhalte ja austauschbar � ob Michael Jackson oder Woytila ist fast egal. Die Form des Massenaufmarsches ist der Inhalt: die geistlose Unterordnung unter alte Männer, die, wie im Falle der Kirche, nicht einmal gewählt sind. Ein Kreis von Greisen, die vom Papst berufen werden und halt dann einen der Ihren, den Manipulierbarsten, zum obersten Schauspieler wählen. Diese Greise dirigieren dann die Lebensweise ihrer Schäfchen, vom Kindermachen bis zur Aidsvorsorge. Verständlich, dass manch kommunistischer Führer Gefallen findet an den Päpsten, denn diese können sich � im Unterschied zu uns Kommunisten � ihren Traum von der Verfügung über die Massen erfüllen. Und die brauchen nicht einmal eine "Stasi".