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Claudia Krieglsteiner

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2005-08-25

Wenn es uns allen gut geht ...

Die Wirtschaftskammer hat ihren uralten Slogan wieder ausgegraben und kampanisiert auf den großen Plakatwänden ebenso wie im Fernsehen: "Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es uns allen gut."

Das war nur leider noch nie so wenig zutreffend wie heute.

Weder Steuerdumping noch öffentlich bezahlte Löhne für private Aneignung ("Kombilöhne"), weder Aufhebung von Arbeitszeitgesetzen noch Verzicht auf Überstundenbezahlung, weder prekäre Arbeitsverträge noch Privatisierungen � also nichts von alledem, was in Österreich, in der EU und weltweit unternommen wird, damit es "der Wirtschaft gut geht", konnte die steigende Erwerbs-Arbeitslosigkeit eindämmen oder auf andere Weise dazu beitragen, dass es uns allen gut geht. Im Gegenteil. Massenkündigungen und steigende Gewinne gehören heutzutage zum guten Ton, zur "überzeugenden Performance" von großen Konzernen, Banken und Versicherungsgesellschaften gerade so wie von ehemals verstaatlichten oder kommunalen Dienstleistungsbetrieben.

Was in Deutschland Hartz IV ist, heißt zur Zeit in Frankreich "Wir überlegen Langzeitarbeitslose zum Heer einzuziehen." - Eine äußerst befremdliche Form der Volksbewaffnung, die da diskutiert wird. Und wird in Österreich neben einem Bündel von Maßnahmen, die bereits gesetzt wurden, gerade als "Kombilöhne" erwogen.

In den einzelnen Werbespots der Wirtschaftskammer wird vorgeführt, dass wir - jede und jeder Einzelne - selbstverantwortlich gebildet, gesund, selbstbewusst und punktgenau qualifiziert am Markt zu erscheinen haben. Dass das den rund 300.000 offiziell und wohl an die 400.000 tatsächlich Erwerbsarbeit-Suchenden allein in unserem Land zwar eben im Einzelfall, aber sicherlich nicht in ihrer Gesamtheit helfen kann, bleibt selbstverständlich unerwähnt.

Meistens kommt nix Gutes dabei heraus, wenn man versucht, das was ist, eins zu eins umzudrehen. Aber dieser Fall ist wohl eine Ausnahme, weil's nämlich funktioniert, wenn man dem Slogan der Wirtschaftskammer mit seiner Umkehrung entgegen tritt:

Wenn es uns allen gut geht, geht es der Wirtschaft gut! Und wenn nicht, interessiert das auch niemanden, oder?