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Bärbel Mende Danneberg

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2005-04-05

Der Tod und die Medien

Mediale Sterbebegleitung mit Gottes Hilfe

Nun endlich durften der Papst und die Koma-Patientin sterben. Nicht in würdevoller Ruhe, sondern begleitet vom hysterischen Mediengetöse und fanatisch betenden Gottesfürchtigen.

Seit Wochen liefen sich die Schlagzeilen um den dahinsiechenden Papst und die Koma-Patientin Schiavo den Rang ab. Wochenlange Spitzenmeldungen: Wird der Papst den österlichen Segen noch selbst erteilen können? Wie lange hält Terri Schiavo es nach der Entfernung der Magensonde ohne Nahrung aus? Auf dem Petersplatz fanden sich seit Wochen Tausende Schaulustige ein, verharrten nächtelang betend in Schlafsäcken, um einen letzten Blick auf das klägliche päpstliche Ende zu ergattern; vor dem Hospiz in Pinellas begleiteten wütend betende DemonstrantInnen seit dem 18. März den langsamen Tod der Terri Schiavo.

Das Sterben scheint in unserer vom Jugendwahn besessenen Gesellschaft einen heiligen Schauder zu verursachen. Niemand möchte sich die Reality-Show entgehen lassen. Deshalb wurden wir wochenlang mit medialer Sterbehilfe der peinlichsten Sorte gefüttert. Da war nichts heilig, da gab es kein Erbarmen, wenn die Kameras die sterbenden Gesichter und verfallenden Körper heranzoomten. Da erfuhren wir im ORF-Morgenjournal, dass der mit dem Tod ringende Papst anscheinend "sehr zäh ist", Bischof Weber war im Mittags-Journal beeindruckt von der Medienwirksamkeit des Heiligen Vaters, und die Sonderberichterstattung aus Rom ließ uns an jedem Huster des Sterbenden intensiv teilhaben. Ähnlich wurden wir mit den Einzelheiten des Ablebens der Koma-Patientin gefüttert - hat sie in der letzten Sekunde gelächelt? Hat sie nicht? Keine noch so peinliche Sequenz der streitenden Angehörigen wurde uns vorenthalten.

Das Sterben gerät zum Staatsakt - in Italien beeinträchtigte es die Wahlen, eine dreitägige Staatstrauer wurde verordnet; in Florida wurde eine öffentliche Schweigeminute eingelegt, als die Koma-Patientin verschied, nachdem sich sogar die Präsidenten-Familie Bush gottesfürchtig gegen die Entfernung der Magensonde ausgesprochen hatte und alle gerichtlichen Instanzenwege ausgeschöpft waren.

Natürlich geht es bei den Sterbeberichten und -streitereien um Ideologie. Wie auch bei den Lebensstreitigkeiten. Anfang und Ende sind religiöse Schauprozesse. Wir kennen den betenden Fanatismus nicht nur von den medialen Sektenpredigern in den USA oder dortigen Attentaten auf Abtreibungskliniken. Auch hierzulande wird von religiösen Fanatikern betend Krieg geführt gegen Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch in einer entsprechenden Institution durchführen lassen wollen. Letztlich hat ja der Papst himself den Holocaust und Abtreibung gleichgesetzt. Vier Millionen PilgerInnen dieser Tage in Rom � da soll mir noch einmal jemand den religiösen Fanatismus der Islamisten anprangern. Und hat nicht gerade erst eine Mutter "im Auftrag Gottes" ihr Kind verhungern lassen?

Der religiöse Fanatismus verhindert eine ernsthafte Diskussion darüber, wie menschlich gelebt und gestorben werden kann und welche Hilfen, etwa Palliativmedizin oder Unterstützung pflegender Angehöriger, notwendig wären für ein würdevolles Ende ohne Schmerzen. Stattdessen werden wir überhäuft mit triefender Trauer: "Ohne Übertreibung - ganz Polen weint", lautete eine der Spitzenmeldungen zum päpstlichen Ableben.