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Julius Mende

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2005-05-22

Albert Speer und Er kommen fesch daher

Hitlerfilme haben Konjunktur. Realistisch soll eine Nahperspektive der Größen des Dritten Reiches gezeichnet werden, das haben der Hitlerfilm "Der Untergang" und der Film über Albert Speer im Fernsehen gemeinsam. Beide stellen alte Fotos bzw., wie bei Speer, Filmaufnahmen von Eva Braun nach. Dadurch soll wohl eine besondere Authentizität erreicht werden.

Dieser Pseudorealismus ist sicher ein Geheimnis des Erfolges beider Filme und des Lobes der Presse. Gleichzeitig verzichten beide Filme auf die Ausleuchtung des historischen Hintergrundes. Die Nahperspektive auf den Führerbunker mit Weh und Leid der Führungsoffiziere und ihrer Frauen und die Intimität der beiden Genies auf dem Obersalzberg in heroischer Landschaft lassen kaum Platz für die Judenmorde, die Kriegsgräuel und die reale Lage der Menschen unter dieser Herrschaft. Im "Untergang" kommen die Russen nur als heranrückende Feinde und als grölende Horden vor. Alles Elemente der großen Entlastungsoffensive für das verführte deutsche Volk. Stellvertretend für dieses figurieren in aller Unschuld Hitlers Sekretärin und am Salzberg Eva Braun und die gesamte Familie Speer, die nichts gewusst haben wollen, wie Speer noch bei seinem Verhör beim Nürnberger Prozess betont.

Die Intimschau auf Familien und Kinder, sei�s im Bunker, sei�s am Salzberg, erweckt Einfühlsamkeit in die Normalität des Wahnsinns. Nebenbei werden alle, die fesche Uniformen lieben, bedient. Das Umfeld Hitlers wird von Mitverantwortung freigesprochen, denn sie sind alle Verführte dieses Wahnsinnigen. Das ist die eine große Erzählung. Speer, ein großes Baugenie, wird durch den wahnsinnigen Führer funktionalisiert. Die arme Leni Riefenstahl darf kurz was sagen, auch sie wurde benutzt. Die Kinder Speers kommen ausführlich zu Wort und stricken an diesen Mustern weiter.

Es ist schon wichtig, dass die Nazis nicht als diese bloß inhumanen Bestien hingestellt werden, wie das in der Nachkriegspropaganda sehr plakativ geschah. Doch die einfühlsame Zeichnung z. B. der Frauen von Speer oder Göbbels ist die andere Erzählung. Diese noblen gütigen Damen vertiefen den Eindruck der idealistischen Verblendung durch Ideen, deren Vernichtungspotenzial, wie etwa das des Rassismus, schonend ausgeblendet bleibt. Auch dadurch wird der Blick auf das Geheimnis der Massenfaszination verstellt, die bis heute die Figuren und die Rituale der Macht auf viele ausüben.

Die Filme leben von dieser Faszination. Der platte Realismus ist das ästhetische Konzept, das diese Feschheit neu belebt. Der Realismus der Oberfläche bedient den Voyeurismus der Regenbogenpresse und erzeugt den köstlichen Schauer, ganz nahe dabei sein zu dürfen bei den feschen noblen Nazibonzen, ihren gefühlvollen Gattinnen und ihren lieben ahnungslosen Kindern.