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Julius Mende

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2005-11-06

Scheiß Politiker(innen)?

Anlässlich der deutschen Wahlen konnten sich Journalisten und politisierende BeobachterInnen nicht genug alterieren über die Doofheit der PolitikerInnen. Vor allem wurde über Angela Merkel hergezogen, am meisten allerdings über ihr rosa Kleid und irgendwelche Schweißflecken. So stehen PolitikerInnen dauernd in der Auslage, man kann auch erkennen, wes Geistes Kinder da als JournalistInnen am Werk sind.

Andererseits hat der Anspruch Schröders auf den Kanzlerposten und die unverfrorene Ummünzung eines Wahlverlustes in einen Sieg viel Anlass gegeben, die Politiker wirklich für Idioten zu halten. Die Vollmundigkeit und das Geplärr nehmen wieder zu, nachdem seit Hitler solche Herrschaftsgesten eher verpönt waren. Aber auch das muss man können - z.B. wie Häupl den erstaunlichen Wahlerfolg Straches in Wien in eine Niederlage zu verwandeln, indem man die Spaltung der FPÖ negiert.

Auch in den Parteien selbst ist es Usus, stets auf die da oben oder die in Wien zu schimpfen � ich hab da immer mitgemacht. Aber alle die da oben können etwas und sind auf ihre Art brillant. Gerade bei kleinen, erfolglosen politischen Gruppierungen ist das Gemaule statt der politischen Kritik sehr verbreitet. Am meisten tun sich Leute hervor, die selbst keinen geraden Satz herausbringen � so meine Beobachtung.

Jeder, jede, die es bis an die Spitze einer relevanten Partei bringt, muss bestimmte Qualifikationen haben: Das reicht von einer bestimmten Grundbildung über das Bilden von Seilschaften, Steuern von Intrigen, Manipulieren von Sitzungen bis zum Abschießen von GegnerInnen. Wer schon einmal vor einer Fernsehkamera stand, weiß, was das für ein Stress ist � für jeden, auch für Herrn Schröder. Genial nichts zu sagen ist auch eine Kunst. Ich meine das ernst. Sich als PolitikerIn zu verkaufen ist eben der Job. Ohne das politische Programm zu goutieren, muss man feststellen, dass der Strahlemann Strache einen genialen Wahlkampf hingelegt hat. Als einzige Partei hat er politisch deutlich zugespitzt, dem Volk aufs Maul g'schaut und den "Tschuschn" aufs Maul g'haut. Die Werbeagentur hat eine entsprechende Plakatserie konzipiert. Das muss man einmal nachmachen, und dann noch auf links sozialkritisch, humanistisch engagiert. Soweit das überhaupt geht.

Annähernd beherrscht das, mehr auf paternalistisch, Genosse Kaltenegger in Graz. Der Erfolg gibt ihm recht. Also, diese Leute können etwas. Kaum in einem Beruf muss man so präsent sein und den Wählern und Wählerinnen so nach dem Mund reden. Alle Schlüsselqualifikationen von Flexibilität und Kreativität beginnend muss man beherrschen, Sozialkompetenz (Intrigieren und Führen) muss man zeigen und Sachkompetenz, indem man sich ExpertInnen zulegt usw. Alles in allem ein Scheißjob, und da wird man leicht zum Scheißpolitiker.