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2005-07-04 Die KPÖ in der Steiermark im Jahr 1945 Im Bedenkjahr 2005, in dem es 60 Jahre Befreiung und 50 Jahre Staatsvertrag und Neutralität zu gedenken gilt, werden vielfach jene Politiker in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt, die in Moskau den Staatsvertrag ausverhandelt haben. Dabei wird zumeist aber auf jene Menschen vergessen, die die Grundvoraussetzung für den Staatsvertrag gelegt haben - die Männer und Frauen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren und die, wie es die Moskauer Deklaration 1943 von Österreich verlangte, einen Beitrag zur Befreiung vom Faschismus geleistet haben. In der Steiermark waren dies - wie in den anderen Bundesländern auch - vor allem Kommunisten und Kommunistinnen, die seit 1938 gegen den Nationalsozialismus kämpften. Im Folgenden soll in drei Abschnitten die Rolle der KPÖ in der Steiermark im Jahr 1945 skizziert werden, wobei auf zwei teilweise unterschiedlich verlaufende Entwicklungen in der Obersteiermark und in Graz eingegangen wird, die - zumindest für die Zeit bevor die Briten in der gesamten Steiermark Besatzungsmacht wurden - auch zwei unterschiedliche Konzepte des Neubeginns symbolisieren.
1. Phase: Die KPÖ im WiderstandEs ist natürlich nicht möglich, die Geschichte des Widerstands der KPÖ in Steiermark hier auszubreiten. Daher soll an dieser Stelle - auch zum besseren Verständnis der unterschiedlich verlaufenden Entwicklungen ab Mai 1945 - nur ein knapper Überblick geboten werden. Bereits unmittelbar nach dem �Anschluss� 1938 rief die KPÖ - entsprechend des seit Mitte der 1930er Jahre formulierten �Kampfs um die demokratische Republik� - zum Kampf um die Befreiung Österreichs von der Fremdherrschaft auf. Die vom ZK der KPÖ formulierten Aufgaben des österreichischen Volkes, der österreichischen Arbeiterklasse und der KPÖ seien der Kampf gegen die Fremdherrschaft und für die Selbstbestimmung und Selbstverwaltung des österreichischen Volkes, der Kampf für die demokratischen Rechte des Volkes, der Kampf gegen die wirtschaftliche Ausplünderung des Landes, der Kampf gegen die Kriegspolitik des deutschen Faschismus und der Kampf gegen die Kulturbarbarei und den Antisemitismus, gegen Verhetzung und Verrohung. Diesem Programm und den seit März 1938 veröffentlichten Aufrufen entsprechend leistete die KPÖ ab Frühjahr 1938 einen zentral organisierten Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wobei in der Steiermark zumeist zwei geographisch getrennte Leitungen - eine für Graz, die Süd-, West- und Oststeiermark und eine für die Obersteiermark - existierten. Obwohl es der Gestapo immer wieder gelang mit Hilfe von Spitzeln diese zentral organisierten Widerstandsgruppen aufzurollen, was zur Folge hatte, dass hunderte steirische Kommunisten und Kommunistinnen verhaftet wurden, von denen ab 1941 viele zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, hörte der Widerstand in den Betrieben und Städten nie auf. Ab 1941 - im Zusammenhang mit dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion - nahm er an Intensität zu, wobei nun vor allem mit Sabotageaktionen begonnen wurde. Genannt seien in diesem Zusammenhang etwa die Bergarbeiter am Erzberg bzw. die Eisenbahner in Leoben, in St. Michael, in Knittelfeld, in Bruck/Mur und in Graz. In den Betrieben wurde im Rahmen der �Roten Hilfe� bzw. der �Roter Gewerkschaft� über Parteigrenzen hinweg Solidarität mit den Familien politisch Verfolgter geübt. Im Jahr 1943 - zu einem Zeitpunkt, als in der Steiermark der zentral organisierte Widerstand zum Großteil aufgerollt, führende Kader verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet worden waren - stand der diese Verhaftungswellen überdauernde Widerstand durch die militärischen und politischen Entwicklungen - zum einen den Niederlagen der Deutschen Wehrmacht und zum anderen die Moskauer Deklaration der Alliierten vom November 1943, in der Österreicher und Österreicherinnen zum Widerstand aufgefordert wurden - vor einer neuen Situation. Im Bezirk Leoben wurde im November 1943 eine neue politische Organisation geschaffen, die �Österreichische Freiheitsfront� (ÖFF). Diese unternahm den Versuch über Parteigrenzen hinweg gemeinsam Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu leisten. Diese Organisation blieb mehr oder weniger auf die Obersteiermark beschränkt. In Graz wurde im Herbst 1944 eine andere, von führenden Kommunisten aufgebaute, überparteiliche Widerstandsgruppe, die �Steirische Kampfgemeinschaft�, gegründet. Da beide Widerstandsgruppen anlässlich der Befreiung 1945 von großer Bedeutung waren, sollen sie kurz mit ihren Programmen und Zielen - soweit sie diese in den Jahren 1944/45 auch öffentlich gemacht haben - vorgestellt werden. Die Steirischen Kampfgemeinschaft in Graz Diese Widerstandsgruppe in Graz ist in der sowieso sehr knappen Literatur über den Widerstand in der Steiermark kaum bekannt. Der Hauptgrund liegt darin, dass es in den wenigen Monaten ihres Bestehens zu keinen Verhaftungen von Mitgliedern dieser Gruppe gekommen ist; es also keine Akten der nationalsozialistischen Verfolgungsinstanzen gibt. Ein weiterer Grund ist der, dass viele Mitglieder dieser Gruppe schon vor vielen Jahren gestorben sind und es fast keine (autobiografischen) Aufzeichnungen gibt. Im Spätherbst 1944 wurde rund um den Kommunisten Ferdinand Kosmus und um Hans Müller, den Sohn des Besitzers des Kaufhauses �Moden Müller�, im Keller des Geschäftslokals in der Murgasse in Graz die �Steirische Kampfgemeinschaft� gegründet. Dieser Gruppe gelang es bis ins Frühjahr 1945 einerseits eine Reihe von Verbindungen in die großen Grazer Betriebe (Puchwerke, Waggonfabrik, Andritzer Maschienenfabrik, Gas- und E-Werk, Post, Straßenbahnen) herzustellen und andererseits wichtige Verbindungen ins Polizeirevier und zum Wehrbezirkskommando aufzubauen, von wo auch Ausweispapiere organisiert wurden, mit denen Fahnenflüchtige versorgt werden konnten. Diese Gruppe produzierte im April und Mai 1945 mehrere Flugblätter, die sich an die Zivilbevölkerung, aber auch an die Soldaten und Volkssturmmänner richteten und diese aufforderten, nicht mehr an die Front zu gehen und sich statt dessen der �Kampfgemeinschaft� anzuschließen. Die Gruppe war im Mai 1945 auch dafür verantwortlich, dass die Brücken über die Mur nicht wie vorgesehen vor der näherrückenden Roten Armee gesprengt wurden. Bedeutung kam der Kampfgemeinschaft zudem in den ersten Stunden der neuen Freiheit zu, als sie unterstützt durch 30 bewaffnete griechische Fremdarbeiter die noch inhaftierten politischen Häftlinge befreite und sich in den Dienst einer ersten Polizei stellte. Gleichzeitig übernahmen Mitglieder dieser Gruppe in verschiedenen Grazer Betrieben kurz vor Kriegsende die Macht und sicherten sie vor Zerstörungen. Österreichische Freiheitsfront (ÖFF) in der Obersteiermark Die im Herbst 1943 in den Bergen nahe Leoben gegründete ÖFF war die einzige österreichische Partisanenorganisation, die unabhängig von außen gegen die Nationalsozialisten aktiv wurde. Sie wurde von führenden Leobner Kommunisten um Sepp Filz, Anton Wagner, Simon Trevesani, Ferdinand Andrejowitsch und Max Muchitsch gegründet, wobei v.a. die Kontakte zu den slowenischen Fremdarbeitern und Partisanen den Ausschlag gegeben haben. Als es in Slowenien zu Verhaftungen von Partisanen kam, die die Leobner unterstützt hatten, mussten die obersteirischen Kontaktleute Sepp Filz und Anton Wagner mit den in Donawitz arbeitenden slowenische Fremdarbeitern untertauchen. Gemeinsam gingen sie Anfang April 1943 nach Jugoslawien, wo sie im Rahmen der Osvobodilna Fronta, der slowenischen Befreiungsfront, kämpften. Im Herbst 1943 kehrten Filz und Wagner wieder nach Leoben zurück, wo sie - in der Illegalität lebend - an den Aufbau eines �sicheren Hinterlandes�, d.h. Stützpunkte bei Bauern und Arbeitern einrichteten, sowie gemeinsam mit den legal lebenden Kommunisten wie Muchitsch oder Andrejowitsch an den Ausbau der Verbindungen in verschiedene Ämter und Behörden des Bezirkes schritten. Im Frühjahr 1944 nahmen sie den bewaffneten Kampf auf und verübten in der Obersteiermark Anschläge auf Militärtransporte - oft zeitgleich in mehreren Orten, um so auch Allgegenwart und Macht zu demonstrieren. Gleichzeitig verbreiteten sie Flugblätter und Programme der ÖFF, in denen sie unter anderem forderten: �1. Kampf mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln einschließlich Waffengebrauchs gegen die faschistischen Okkupanten und ihre österreichischen Helfershelfer, die durch Betrug, Lüge und Ausnützung unserer Gutmütigkeit sowie durch Anwendung brutalsten Terrors uns aller Rechte beraubten und zu Sklaven einer faschistischen Herrenclique machten. 2. Errichtung eines freien, unabhängigen, demokratischen Österreichs, das mit allen Völkern in Freundschaft zu leben gewillt ist, jeden Rassen-und Nationalhaß bekämpft sowie Religions- und Meinungsfreiheit sichert. 3. Enteignung der Schwerindustrie, des Großgrundbesitzes sowie der faschistischen Institutionen, deren Verstaatlichung bzw. Aufteilung.� Nach einer kurzen Phase, in der die ÖFF erfolgreich ihre Aktionen durchführen konnte, kam es im Sommer 1944 zu mehreren Rückschlägen. Bei Gefechten mit den nationalsozialistischen Verfolgern gab es erste Tote auf Seiten der Partisanen. Als zudem durch Unachtsamkeit illegale Kämpfer in der Stadt verhaftet wurden, gelang es der Gestapo in der Folge hunderte Unterstützer und Unterstützerinnen der ÖFF zu verhaften, die in Konzentrationslager eingewiesen wurden, wo über 40 von ihnen starben. Mit dieser Verhaftungswelle wurde aber auch der ÖFF das Hinterland, jene Orte, wohin sie sich in den letzten Monaten zurückziehen haben können, abgegraben. Die von den Verhaftungen verschont gebliebenen Partisanen mussten daher ab Spätsommer 1944 untertauchen und sich auch im Zusammenhang mit dem Kriegsverlauf auf eine neue Orientierung hin ausrichten. Dies hieß vorerst eine Abkehr des bewaffneten Kampfes und eine Hinwendung des Widerstandskampfes auf den Zeitpunkt der Befreiung. Aus diesem Grund wurden im Frühjahr 1945 vor allem Aufrufe verbreitet, worin die Bevölkerung aufgefordert wurde, den nationalsozialistischen Führern nicht mehr zu folgen und statt dessen zu desertieren und sich dem Widerstand anzuschließen.
2. Phase: Die KPÖ zwischen 8. Mai und Ende Juli 1945Nachdem Gauleiter Uiberreither am 7. Mai 1945 Graz verlassen und die Amtsgeschäfte Armin Dadieu übergeben hatte, kam es in Eggenberg zu einem Treffen von führenden Personen aus dem sozialdemokratischen Lager, bei dem von Seiten der KPÖ Ditto Pölzl anwesend war. Gemeinsam marschierten am 8. Mai Vertreter der Sozialdemokraten (Reinhard Machold, Engelbert Rückl, Alois Rosenwirth) mit Ditto Pölzl und zwei ehemaligen Christlichsozialen ins Rathaus und forderten den Rücktritt des Oberbürgermeisters. Als man schließlich noch den letzten Landeshauptmann vor 1934, den christlichsozialen Alois Dienstleder, gefunden hatte, sollte eine erste Provisorische Landesregierung - noch unter Ausschluss der KPÖ gebildet werden. In die Gespräche um die Bildung der neuen Regierung kamen die Kommunisten Alfred Marchl, Viktor Elser und Ferdinand Kosmus bewaffnet mit den Männer der �Steirischen Kampfgemeinschaft� und erklärten den Versammelten: �Ohne Kommunisten ginge nichts.� Sofort wurden die Männer der Kampfgemeinschaft in den Dienst zur Sicherung der Straßen gestellt, womit sie noch vor dem Einmarsch der Roten Armee in Graz die erste Polizei in Graz stellten. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Graz kam von Wien der Zentralsekretär der KPÖ Friedl Fürnberg nach Graz und verhandelte am 9. Mai gemeinsam mit den Sowjets und Vertretern der SPÖ und ÖVP über eine Regierungsbeteiligung der KPÖ. Die 2. Provisorische Landesregierung und die Grazer Stadtregierung wurde daraufhin wie die Provisorische Regierung in Wien drittelparitätisch zusammengesetzt. Landeshauptmann wurde der Sozialist Reinhard Machold, seine beiden Stellvertreter waren Dienstleder von der ÖVP und Viktor Elser - zuständig für Gemeinden und Krankenanstalten - für die KPÖ. Zudem stellte jede Partei zwei Landesräte. Für die KPÖ waren dies Ditto Pölzl, der für Kultur und das Schulwesen zuständig war, und Raimund Bachmann, Landesrat für die soziale Verwaltung. Für die Stadt Graz wurde eine ähnliche Zusammensetzung beschlossen, wobei auch hier die SPÖ mit Eduard Speck den Bürgermeister stellte, während die beiden anderen Parteien jeweils einen Vizebürgermeister hatten. Für die KPÖ war dies der Widerstandskämpfer Johann Janeschitz, der das Fürsorgereferat leitete. Die beiden Stadträte waren das Mitglied der �Steirischen Kampfgemeinschaft� Josef Kovacic, der für das damals heikle Thema Wohnungswesen, und Ing. Franz Huihammer, der für das Bauwesen zuständig war. Gänzlich anders verlief der Neubeginn im Bezirk Leoben und im nicht amerikanisch besetzten Teil des Bezirks Liezen. Die Partisanen der ÖFF, Sepp Filz und Max Muchitsch in Leoben, Anton Wagner, Franz Lindmoser und andere in Eisenerz, Radmer und Hieflau haben am 8. Mai 1945 die Macht übernommen und dabei erstens die Nazis daran gehindert, dass sie den sogenannten Nero-Plan umsetzen und die Industrieanlagen sprengen und sie haben zweitens den nationalsozialistischen Werkschutz entwaffnet und die Arbeiter und Unterstützer der Partisanen bewaffnet und ihnen den Schutz der Industrieanlagen überantwortet. Der alte, im Amt gebliebene Direktor der Alpine in Donawitz, DI Bernhard Matuschka, berichtete anlässlich der Inbetriebnahme des zweiten Elektroofens am 25. Juni 1945 von der �Machtübernahme� durch die ÖFF in Leoben: �Am denkwürdigen 8. Mai 1945 erschien der Führer der Österreichischen Freiheitsbewegung in Leoben und jetzige Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Sepp Filz, direkt aus den Bergen kommend, bei uns in unserer Direktion. Es wurde beschlossen, den Werkschutz aufzulösen, und seine Waffen wurden unverzüglich den Kämpfern der Österreichischen Freiheitsfront übergeben. Dadurch wurde es den Freiheitskämpfern ermöglicht, die Eroberung der Polizeidirektion, so wie die der anderen Behörden von Leoben durchzuführen, was zur Folge hatte, dass die Ruhe und Ordnung sowohl im Werk als auch im Gebiet der Stadt Leoben aufrechterhalten worden ist, bis die siegreichen Truppen der Roten Armee in unserer Stadt einzogen.� Nachdem die Truppen der Roten Armee in Leoben eingezogen waren, kam es zur Gründung sogenannter Dreierausschüsse der ÖFF. Damit wurde in Leoben ein anderes Konzept verfolgt als in Graz oder Wien. Gemeinsam mit Vertretern aller Parteien sollte die ÖFF der Ausgangspunkt für eine antifaschistische Aufbauarbeit von unten her sein. Zu diesem Zweck erschien ab dem 10. Mai 1945 eine von den Freiheitskämpfern herausgegebene Tageszeitung, das �Obersteirische Tagblatt� mit einer Auflage von 35.000 Stück. In dieser Zeitung wurde der Bevölkerung des Bezirkes auch der neue Aufbau vorgestellt. Allen Beamten in den Ämtern wurden - da man diese vielfach nicht austauschen konnte - Beigeordnete der Partisanen bzw. Antifaschisten zur Seite gestellt. In verschiedenen Unterausschüssen begann die ÖFF und der Dreierausschuss mit Sepp Filz an der Spitze, Franz Kramer und Alois Sormann, die für die SPÖ bzw. ÖVP im Ausschuss saßen, das öffentliche Leben im Bezirk wieder in Schwung zu bringen. Es wurden ein Handels-Gewerbe- Industrieausschuss, Ausschüsse für Ernährung, Verkehr, Sicherheit, Gesundheit, Schulwesen und andere Ausschüsse mehr ins Leben gerufen. Die ÖFF blieb aber nicht nur auf die Stadt Leoben bzw. Eisenerz beschränkt, wo die Partisanen am 8.Mai 1945 die Macht übernommen hatten, die Idee der ÖFF als Bewegung von unten wurde auch in die kleinsten Orte des Bezirks hinaus getragen. In einem Schreiben, in dem auch die Verteilung der Macht angesprochen wurde, heißt es dazu: �In vielen kleineren Orten des Bezirkes besteht noch kein Freiheitskomitee und kein Dreierausschuss. In manchen Orten werden die Arbeiten, die sonst der ÖFF zustehen, vom Bürgermeister und Gemeindeausschuss erledigt. Der Bürgermeister und der Gemeinderat haben vor allem verwaltungsmäßige, fürsorgliche und wirtschaftliche Aufgaben. Es ist zumindestens notwendig, dass ein Dreierausschuss neben und über dem Bürgermeister steht, der die Maßnahmen zur politischen Umgestaltung und Überwachung aller politischer Vorgänge und die Verhaftungen der Nazi leitet und kontrolliert. [...] Der Dreierausschuss besteht im Einvernehmen mit dem Bürgermeister. Der Ausschuss hat auch im Einvernehmen mit dem Bürgermeister für die kommissarische Besetzung aller Nazibetriebe und -geschäfte zu sorgen. Weiters hat er alle Maßnahmen zu beschließen und durchführen zu lassen für die Normalisierung des öffentlichen Lebens, und die Wiederingangsetzung der Wirtschaft. Hierher gehört auch die Sicherstellung von Fahrzeugen, Lebensmittel usw.� Innerhalb der ÖFF - konkret bei den Vertretern der SPÖ und KPÖ - gab es in Leoben auch Überlegungen eine einheitliche Partei zu gründen. Franz Kramer meinte etwa: �Warum sollte nicht von Leoben aus die Vereinigung der beiden Parteien erfolgen, wie in Hainfeld. Schließlich ist Leoben ein wirtschaftliches und industrielle Herz. Die Donawitzer Arbeiterschaft war zudem in der Arbeiterbewegung führend.� Wie wenig Aussicht auf Erfolg diesen Überlegungen hatten, zeigt unter anderem Ernst Fischer auf, der in seinen Erinnerungen u.a. folgendes schreibt: �In Favoriten und anderen Wiener Bezirken, aber auch in der Obersteiermark hatte sich eine �Österreichische Freiheitsfront� konstituiert. Kommunisten, Sozialisten und andere Gegner der NSDAP sammelten sich in dieser Freiheitsfront, die keine feste Organisation, doch eine politische Möglichkeit war. War sie es? Da es noch keine kommunistische Parteiführung gab, mussten Koplenig und ich allein entscheiden, ob wir die Kommunistische Partei Österreichs reorganisieren oder uns der Freiheitsfront zuwenden sollten. Nach gründlichen Erwägungen entschieden wir uns gemeinsam für die KPÖ, stimmten also im Entschluss, nicht in der Motivation überein. Koplenig fürchtete, eine solche Vereinigung, eine Sozialistische Einheitspartei, werde unter sozialdemokratische Führung geraten und schließlich nichts anderes sein als eine der üblichen sozialdemokratischen Parteien; außerdem sei der Widerstand vieler alter Kommunisten gegen ein solches Amalgam zu erwarten. Meine Befürchtung war, dass eine Sozialistische Einheitspartei nicht die Einheit, sondern den Zwiespalt fördern würde, dass unvermeidliche Fraktionskämpfe zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten die Sprengung der Partei zur Folge haben würden: ein Bündnis der Parteien berge, so argumentierte ich, weniger Konfliktstoff in sich als eine übereilt proklamierte Einheitspartei; das Misstrauen gegen eine KP mit einem radikal demokratischen Programm werde geringer sein als der Argwohn gegen Kommunisten im Gefüge einer Einheitspartei.� Und Sepp Filz meinte dazu: �Ich habe mit unserem Parteivorsitzenden Koplenig eine Auseinandersetzung gehabt, weil bei uns in Leoben waren sich in den ersten Tagen alle einig: �Wir machen eine Partei, eine einige Arbeiterpartei.� Aber unsere Obersten vom Zentralkomitee, die haben folgendes gesagt: �Zuerst auseinander setzten und dann wieder zusammensetzen.� Und so wurde - verhältnismäßig spät erst (alle anderen Parteien gab es zu schon längst) - Mitte Juni 1945 in Leoben die SPÖ für den Bezirk Leoben gegründet. Im Protokoll dazu heißt es: �Gen. Filz erklärt, daß sich die S.P. in Leoben konsti�tuiert habe und Gen. Wlasto von der Landesleitung der S.P.Ö. dazu ausersehen worden war, diese Konstituierung vorzunehmen. Gen. Filz gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Sozialistische Partei in allen prinzipiellen Fragen naturgemäß mit der K.P. einig sein werde. Vor allem betont Gen. Filz, müsse eine Zweigleisigkeit in Frage der Jugend- und Sportorganisation unbedingt vermieden werden. Die Gen. Bellak und Wlasto sagen dies zu und Gen. Bellak erklärt, daß es nur aus dem Grunde notwendig sei, eine Sozialistische Partei zu gründen, um in der S.P.Ö. ein Sammelbecken für jene Mittelschichten zu haben, die sich nicht zur K.P.Ö. entschließen könnten und somit der Volkspartei anheimfallen würden. In einer lebhaften Diskussion über die Unbegründetheit dieser Ansicht stellt Gen. Filz abschließend fest, daß es unmaßgeblich sei, aus welchen Gründen die S.P.Ö. gegründet worden sei. Wesentlich sei nur die gute Zusammenarbeit, die er sich erhoffe. Gen. Filz wird morgen mit den Gen. Wlasto und Bellak zum Stadtkommandanten gehen, um die Anerkennung der Parteigründung zu erwirken.� Dass sich sowohl Bellak als auch Sepp Filz in allen Punkten irrten, sollte sich noch im Laufe des Jahres 1945 zeigen. Dass das Konzept der ÖFF als Partei- und Basisorganisation nicht umgesetzt wurde, hängt nicht nur mit dem Unwillen der kommunistischen wie sozialistischen Parteiführer zusammen, sondern auch und vor allem mit dem Wechsel der Besatzer in der Steiermark.
3. Phase: Britische Zeit ab Ende Juli 1945Gemäß dem alliierten Zonenabkommen vom 9. Juli 1945 kam es am 23./24. Juli 1945 zu einem Wechsel der Besatzungstruppen in der Steiermark und die ganze Steiermark wurde zur britischen Besatzungszone. Damit ändert sich aber auch die Situation für die KPÖ in der Steiermark auf mehreren Ebenen. Die ÖFF wurde aufgelöst - der Führer der ÖFF, Sepp Filz, wurde einen Tag nachdem er gemeinsam mit dem sowjetischen Kommandanten den britischen Kommandanten begrüßt hatte - quasi um die neuen Machtverhältnisse im Bezirk zu demonstrieren - wegen einer Lappalie - das Fehlen einer Bewilligung für ein Auto - festgenommen. Unmittelbar nach dem Wechsel der Besatzungsmacht wurde in Leoben die Bezirkshauptmannschaft von Kommunisten gesäubert. So wurde der im Mai 1945 aus dem Konzentrationslager gekommene kommunistische Bezirkshauptmann Dr. Friedrich Mandl durch Dr. Friedrich Letnig ersetzt, um - wie es in einem Bericht des US-Geheimdienstes heißt - �das Monopol der Linken zu brechen�. Zudem wurde auch die von der ÖFF herausgegebene Tageszeitung �Obersteirische Tagblatt� sofort eingestellt. In Graz wurde die 2. Landesregierung aufgelöst und umgebildet, wobei in der neuen Landesregierung die Beteiligung der KPÖ, die wie die beiden anderen Parteien bislang drei Mitglieder in der Regierung hatte - eingeschränkt wurde. Die im August 1945 gebildete 3. Landesregierung setzte sich nun aus vier Mitgliedern der SPÖ, drei der ÖVP und zwei der KPÖ zusammen. Während Pölzl und Elser weiterhin Mitglieder der Regierung blieben, wurde Raimund Bachmann durch den Sozialisten DI Ferdinand Wultsch ersetzt, der in Leoben für die SPÖ im Wirtschaftsausschuss der ÖFF vertreten war. Diese Regierung hielt bis Ende des Jahres, bis die nach den Wahlen neu gebildete Regierung - diesmal ohne Beteiligung der KPÖ - ihr Amt antrat. In dieser Phase des Zurückdrängens des Regierungseinflusses der KPÖ durch die Briten begann aber andererseits auch der Aufbau der Partei von der Basis her. Dabei hatte die KPÖ, im Unterschied zu den beiden anderen Parteien mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Da die KPÖ etwa vor 1933 nur in einigen wenigen Industrieorten präsent gewesen war, musste sie - um möglichst überall vertreten zu sein - in einer Vielzahl von Orten erst Parteistrukturen aufbauen. War der Aufbau in den Kommunen teilweise schwierig, so gelang es der KPÖ in den großen steirischen Betrieben sehr rasch Fuß zu fassen. Laut einem britischen Wochenbericht vom 19. September 1945 stellte die KPÖ in der Steiermark 118 Betriebsräte, die SPÖ 97 und die ÖVP 16. Auch nach den Novemberwahlen 1945 - die für die KPÖ in der Steiermark eher ernüchternd ausfielen und bei denen Viktor Elser eines von nur vier Nationalratsmandaten errang - hielt die KPÖ in vielen großen Betrieben (Fohnsdorf, Leoben-Donawitz) noch rund fünf Jahre die Mehrheit der Betriebsräte.
Siehe auch den Beitrag von Manfred Mugrauer "Die KPÖ und die Konstituierung der Provisorischen Regierung Renner" sowie den Beitrag von Hans Hautmann "Befreiung, Staatsvertrag, Neutralität und das Österreich von heute" |