2005-10-26
Es ist ein gutes Land
25. Oktober 2005, Wien, Innere Stadt: eine Gruppe von jungen Männern in etwas älteren grünen Uniformen pfeifen zuerst, singen dann den River Kwai Marsch, auf eine Weise, die den Wunsch der neugewählten Bezirksvorsteherin nach gewissen Alkoholrestriktionen fast nachvollziehbar macht.
Ahnungslose würden die Buben, nach rhythmischen Gefühl und Musikalität schließend, ethnisch in Richtung Mühlviertel o.ä. einordnen, aber wir haben Gedankenjahr, und daher ist klar: sie gehören zu den 25 peaces und stellen Besatzungssoldaten dar.
Die, die heut vor 50 Jahren endlich abgezogen sind.
Aus dieser Regierung tropft, unter allen pastoral-patriarchalen Gelassenheitsritualen hindurch, immer wieder etwas wie unfreiwillige Ehrlichkeit. Da mag der Kanzler noch so gern die alte Geschichte vom "ersten Opfer" Nazideutschlands, leicht relativiert, bei passenden Gelegenheiten zum Besten geben; aber wer die Besatzer tatsächlich waren, das weiß der Regierungssprecher so gut wie der Volksmund. Die trugen nicht braun, sondern grün. Die sprachen nicht deutsch. Das waren nicht nur irgendwelche "Auslända", die der echte Wiener "net mog", das waren noch dazu die Sieger.
Und vor 50 Jahren waren sie dann endlich weg, das Land konnte zu sich selbst zurückfinden, d. h., Massenmörder freisprechen, andere in hübsche Positionen hieven, Restitutionen verzögern und ganz allgemein zum einigen hierzulande genuinen Sentiment zurückfinden: zum Ressentiment.
Schönen Feiertag noch.