2005-03-24
Wie das 'Familienoberhaupt' verblich
Es war im Jahre 1975, als sich die Herren in Regierung und Parlament entschließen konnten, den Frauen der Republik zumindest formal gleiche Rechte und Pflichten � in der Familie - einzuräumen. Mit der Familienrechtsreform wurde offiziell der Mann als gesetzliches Familienoberhaupt abgeschafft, die partnerschaftliche Verwaltung der "Keimzelle des Staates" festgeschrieben.
Ein wenig klingt es wie eine Nachricht aus einer versunkenen Welt, dass ein Mann sich mit der Ehelichung das formale Recht erwarb, über den Wohnsitz oder eine eventuelle Berufstätigkeit "seiner" Frau zu entscheiden, und das alleinige Entscheidungsrecht über die Kinder hatte. Unterschriften unter Reisepass, Lehrlingsvertrag und Schul-Entschuldigungen waren nur von IHM gültig.
Es ist erst 30 Jahre her und die 2. Republik musste eben 30 Jahre alt werden, um auf Reform-Vorstellungen aus den 20er Jahren zur partnerschaftlichen Gestaltung ehelicher Beziehungen zurückzugreifen, sie zu verwirklichen.
Der Veränderung der gesetzlichen Grundlagen ging ein zähes Ringen voran, noch bei der Beschlussfassung im Parlament wurden das Ende der "abendländischen Werte" und der Niedergang des Landes prophezeit.
Die Aktivistinnen des Bundes Demokratischer Frauen (BDFÖ) hatten sich jahrelang um Bündnisse zwischen verschiedenen Frauenstrukturen bemüht. Insbesondere die Frauen aus der SPÖ hatten große Schwierigkeiten damit, galt in ihrer Partei doch ein Kooperationsverbot mit KommunistInnen, die aber, neben den parteimäßig nicht organisierten Frauen, den BDF getragen haben.
Irma Schwager, kommunistische Widerstandskämpferin, die sich im französischen Exil der Resistance anschloss und später für die Frauenpolitik der KPÖ verantwortlich und Vorsitzende des BDF war, erinnert sich: "Ende 1974 ist es uns endlich gelungen, mit den jungen SP-Frauen, die den Rotstrumpf herausgegeben haben, und mit autonomen Frauen eine gemeinsame Demonstration zu machen. Wir haben uns beim Maria-Theresien-Denkmal zwischen den Museen getroffen und ein großes Transparent angebracht, auf dem stand 'Die konnte sich 16 Kinder leisten'. Der �144, der für uns ganz klar auch ein Klassenparagraph war, war natürlich für alle sehr wichtig."
Nicht zuletzt diese große Demonstration ließ Frauen in allen Parteien selbstbewusster auftreten und gab innerhalb der Sozialdemokratie den Anstoß, auf Modernisierung und Reformen zu setzen.
Das Ehe- und Familienrecht wurde unter Justizminister Broda schrittweise reformiert. Das männliche Oberhaupt der Familie in die Geschichtsbücher verbannt.
Dass gesellschaftliche Strukturen oft zäher sind als ihre juristischen Grundlagen, zeigen aktuelle Statistiken über Gewalt in der Familie ebenso wie ein Blick auf die Daten der jüngsten Armutsstudie. 30 Jahre Familienrechtsreform � auch kein Grund zum Jubeln.