2005-10-12
Der Stammtisch bleibt skeptisch
Sonntagnacht "Zur Sache" gesehen: Ein politisches "Trio Infernal" - Khol, Cap, Mölzer - traf ein paar "ExpertInnen" zur Sache: Türkeiphobie in rotweißrot. Musste nach 20 Minuten weiterzappen - erraten: es war zum Kotzen.
Selber schuld? Wieso tut man sich auch so einen Schwachsinn an? Zugegeben, um zu verstehen, dass und warum nationalistische und rassistische Ressentiments gegenüber der Türkei in Österreich mehr als in jedem anderen europäischen Land grassieren, muss man nicht seine Zeit mit dem ORF vertrödeln. Dazu braucht man nur den Diskurs der politischen Klasse dieses Landes verfolgen, in Wien die Zeichen - sprich Plakate - an den Wänden lesen oder sich an der Supermarktkasse ab und an das Krone-Cover zu Gemüte führen: Wenn das geistlos-reaktionäre Geplaudere von Schüssel kaum noch von den Einlassungen des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei zum Thema zu unterscheiden ist und sich beide umstandslos im nationalen Schulterschluss mit Strache und Dichand üben, dann werden die xenophoben Ressentiments des Stammtischs endgültig zur Staatsräson erhoben. - Soweit zur Frage, warum die Mehrheit der ÖsterreicherInnen einem EU-Beitritt der Türkei - mit teilweise haarsträubenden Argumenten - "skeptisch gegenübersteht".
Entsprechend stößt sich natürlich auch niemand mehr daran, wenn veritable Antidemokraten gegen einen Beitritt der Türkei zur christlichen "Festung Europa" ausgerechnet Menschenrechtsfragen ins Treffen führen, neoliberale Gewerkschaftsfeinde die Organisationsfreiheit bemühen und autoritäre Demonteure von Bürgerrechten plötzlich auf demokratische Standards pochen.
Allein, die an sich naheliegendste Forderung will wieder einmal niemand erheben: Die Bevölkerung der Türkei sollte sich, nach eingehender Information über Maastricht-Kriterien, Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Bolkestein-Richtlinie, Operation Spring etc., noch einmal genau überlegen, ob sie dieser Union tatsächlich beitreten will?