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Bärbel Mende Danneberg

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2005-03-08

Frauenrechte abgewickelt

Die Rechte der Frauen - die Frauen den Rechten?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir, ein kleines Häufchen Frauen, am 8. März mit den selbstgemalten Papptafeln über die Mariahilferstraße gezogen sind: �Mich trifft ...", war in dem schwarzen Fadenkreuz zu lesen, "... der niedrige Frauenlohn", "die Kriminalisierung der Abtreibung" oder "... die mangelnde Kinderbeutreuung." Damals, Anfang der 70er, war der Bund Demokratischer Frauen Österreichs noch so ziemlich allein auf weiter Flur mit seinem öffentlichen Protest an diesem speziellen Tag gegen Frauendiskriminierung. Der Internationale Frauentag war was Kommunistisches, so wie seine Begründerin Clara Zetkin. Für Konservative also igitt. Ebenso für SozialdemokratInnen, die sich der Eisenstädter Erklärung (keine Zusammenarbeit mit KommunistInnen) verpflichtet fühlten.

Erst die Aktionseinheiten bald darauf Mitte der 70er, Anfang der 80er Jahre, in denen sich Frauenengagement über ideologische und Parteigrenzen hinweg in den bunten Demos zum Internationalen Frauentag bündelte, machten den 8. März auch in Österreich zu einem Kampftag. Da wurde nächtelang in Hermi Hischs Beisl in der Kumpfgasse um Inhalte gerungen � autonome und Parteifrauen, christliche und Projektefrauen schenkten sich nichts, wenn es um die Durchsetzung ihrer Stand- und Schwerpunkte ging. Und sie schenkten sich vieles, wenn es letztlich zur gemeinsamen Demonstration mit unterschiedlichen Inhalten kam: Kraft, Mut und die Erkenntnis, dass Frauen gemeinsam stark sind. Das ideologische Minenfeld wurde damals zugunsten gemeinsamer Aktionen entschärft. Nur in einem herrschte Übereinstimmung: Abgrenzung nach Rechtsaußen, Ächtung neonazistischer Ideologien.

Die Frauenbewegungen � alte, neue, autonome, parteipolitische, linke, konfessionelle, projektbezogene u. v .a .m. � haben Bewusstsein geschaffen. Das ist Schnee von gestern. Heute ist die Frucht dieser Arbeit zum schwarzblauen Aushängeschild geworden: Die Hälfte der rechts-rechten Ministerposten wird von Frauen eingenommen, und dass ein Drittel der Regierungsmitglieder Frauen seien, habe der Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat bei der UNO-Weltfrauenkonferenz in New York Zwischenapplaus gebracht. "Bundeskanzler Wolfgang Schüssel redet nicht über Emanzipation, sondern handelt danach", so Rauch-Kallats Kommentar zum Frauentag. Auch die FPÖ schmückt sich mit Emanzenfedern: Bezüglich "Gewalt gegen Frauen" sei seit dem freiheitlichen Regierungseintritt viel erreicht und umgesetzt � mehr Rechte für Opfer, Interventionsstellen in jedem Bundesland und das Pilotprojekt "fair play"-Vereinbarung im Sozialministerium ...

Habe ich vielleicht irgendwas falsch verstanden? Frauenrechte durch rechte Frauen? Nach der "Offen gesagt"-Diskussion vergangenen Sonntag bin ich aber regelrecht beruhigt, dass ich mich immer noch auf meine Wahrnehmung verlassen kann: Nach fast einem Jahrhundert Internationaler Frauentag klafft die Einkommensschere noch weiter auseinander, steigt Frauenarmut weiter rapid, besteht weiter strukturelle Gewalt, ist Kinderbetreuung weiter ein Problem, werden weiter schöne Worte geschwungen, die alten Ausbeutungsverhältnisse zwischen Kapital und Arbeit bestehen weiterhin, an der patriarchalen Vorherrschaft hat sich nichts geändert. Frauen sind nach wie vor die arbeitsmarktpolitische Reservearmee, die den Unternehmen zu Extraprofiten verhelfen.

Nur eines hat sich geändert: Die Warteschleife für Gleichbehandlung wird immer länger, verwickelter und komplizierter und immer mehr Frauen erwürgen sich dran.