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Bärbel Mende Danneberg

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2005-04-19

Alte Seilschaften

Der Männerklüngel rauft um Macht und Geld

Nach den niederösterreichischen Gemeinderatswahlen wurden in den diversen Regionalblättern die einzelnen Ergebnisse veröffentlicht. Zum Beispiel in der "Extra NÖN" für Horn/Eggenburg, frei für jeden Haushalt. Viele bunte Bildchen der Sorte Familienschnappschuss. "Die 'Regierung' steht: Alles war eitel Wonne", erfahren wir vom Horner Ergebnis. Die "seltene Harmonie", wie es im Text heißt, zeigt auf dem Foto elf Mannsbilder von gestandenem Alter, Stadträte, Bürgermeister, Altersvorsitzender ... Ähnlich harmonisch geht es weiter im Männerbunde: In Eggenburg sehen wir zwar drei Frauen neben sechs Männern in der Stadtregierung, alle Achtung, aber das nächste Foto vom neuen Gemeindevorstand Burg Schleinitz-Kühnrings zeigt wieder sieben stattliche Männer. Ähnliches in Gars - uups, nein, eine Frau stört ganz versteckt-verschreckt die zwölfköpfige Männerharmonie. In Japons dann sind die sechs ÖVPler wieder ganz unter sich - parteipolitisch und geschlechtlich.

Doch dann ein paar Seiten weiter, was ist denn das? Lauter Frauen! Wo finden wir diese Gemeinde, die farbenprächtig zwölf Frauen vorstellt? - Im Stift Zwettl, sie besuchen dort einen Babysitterkurs, erfahren wir.

Dieses Bild, das sich beim flüchtigen Durchblättern der "NÖN" zeigt, erhellt mir plötzlich den Alltag auf der banalen Ebene. Dort, wo sich das tägliche Leben in Form von verteilten Budgetmitteln für Kindergärten, Altenheime, Wegesanierungen, Jugendzentren oder Abwasserentsorgung abspielt, werden die Entscheidungen nicht nur im parteipolitischen, sondern auch im geschlechtlichen Interesse gefällt. Bestenfalls entscheidet ein frauenfreundlicher Bürgermeister oder Gemeinderat für den weiblichen Bevölkerungsteil. Da dreht es sich dann meist um Kinderspielplätze oder Dorfverschönerung. Einen Unterschied macht es aber schon, ob Frauen für sich selbst entscheiden können.

Selbstverständlich kennen wir das alte Dilemma. Frauen und Politik � viele trauen sich nicht, die meisten werden auch nicht ermutigt, viele haben keine Zeit, sprich: Vielfachbelastung. So bleibt der Männerklüngel unter sich und rauft um Macht und Geld. Die schwarz-blau-orange Bundespolitik hüpft es vor. Nach dem "Jörg, geh du voran, wir folgen dir"-Ruf sind die blauen Vorzeigefrauen � la Uschi Haubner plötzlich in der stillen Orangerie gelandet. Auch VP-Frauenministerin Rauch-Kallat mit ihrem Schlachtruf der "gläsernen Decke" hat es die Sprache in diesem Polit-Theater verschlagen, in welchem es Kanzler Schüssel nur noch um seinen Regierungssessel geht.

Dass dieser Tage in brandneuen Studien der geringe Frauenanteil im oberen Wissenschaftsbetrieb und in den Medien beklagt wird, ist nichts Neues und ergänzt nur mehr das patriarchale Alltagsbild im Hause Österreich.