2005-03-07
Österreich ist frei?
Hinter den Eckdaten des offiziellen "Gedankenjahres" � 60 Jahre Befreiung, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre EU-Mitgliedschaft � verschwindet das Gedenken an den 12. März 1938, den Tag, an dem Hitler in Österreich einmarschierte und die Nazi ihre Herrschaft errichteten. Hinter dem derzeit tausendfach visualisierten Auspruch Figls "Österreich ist frei" bei der Unterzeichnung des Staatsvertags 1955 verschwinden das "freudige Ja" des späteren sozialdemokratischen Staatskanzler Renner, das "Heil Hitler" des Kardinal Innitzer und "kein deutsches Blut" des Kanzlers Schuschnigg zum Anschluß 1938 und seinen Folgen.
Es verschwindet aber auch aus der Erinnerung, daß der Anschluß an das Nazi-Reich nicht allein Ergebnis politischer Winkelzüge, Erpressung und Terror war, sondern zielgerichtete Strategie des deutschen Imperialismus seit dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Es ging um die Aneignung österreichischer Rohstoffquellen und Industrien, um Produktionen und Arbeitkräfte für die deutsche Rüstung, um Macht und Einfluß in Mittel- und Südosteuropa. Und es ging um die Enteignung der 200.000 österreichischen Juden, wobei auch für zehntausende nichtjüdische Österreicher, Naziprofiteure und Mitläufer etwas abfiel.
Nur wenige Jahre nach der Befreiung und insbesondere nach 1955 waren aber die alten Eigentumsverhältnisse zum Teil staatvertragswidrig in vielen Wirtschaftsbereichen zugunsten deutscher Konzerne wieder hergestellt. Heute, 10 Jahre nach dem EU-Beitritt ist Österreich Bestandteil eines europäischen imperialistischen Wirtschafts-und Machtgefüges, das wesentlich stärker ist als es der deutsche Imperialismus allein je war.
Hintergrund Vom Anschluß zur Befreiung und danach:
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