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Günther Hopfgartner

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2005-03-05

Das Erbe Stalins

Heute vor 52 Jahren starb Josef Stalin - zweifellos ein geschichtliches Ereignis. Warum aber sollte sich eine Website, die das "Gedenkjahr 2005" zum Inhalt hat, mit dem Tod oder auch dem Wirken des ehemaligen Generalsekretärs der KPdSU beschäftigen?

- Zum einen steht der Name Stalin für eine Entwicklungsrichtung des Sozialismus, auf die sich die Linke weltweit jahrzehntelang bezogen hat � positiv wie negativ � und die dementsprechend für das Selbstverständnis der Linken auch heute noch von Relevanz ist. Eine Debatte um die Verbrechen Stalins � bzw. des stalinistischen Systems � verweist aber, wenn sie sich nicht nur an der Person des Diktators festmacht, auch auf grundlegende Irrtümer und Irrwege der Linken. Die Erinnerung an die Opfer des Stalinismus widerlegt zudem die Legende von der Alternativlosigkeit der Entwicklung des Sozialismus "von der Oktoberrevolution zum Gulag", wie sie von vielen TotalitarismustheoretikerInnen gerne behauptet wird.

- Zum anderen steht der Name Stalins hierzulande auch am Beginn der 2. Republik � hat doch die Rote Armee wesentlich zur Befreiung Österreichs beigetragen. Für die offiziöse 2005er-Geschichtsschreibung a la Hugo Portisch dient Stalin freilich als Totschlagargument gegen Widerstände gegen die "alternativlose Erfolgsgeschichte" dieser unserer Republik nach 1945. Weil ja außer dem österreichischen Weg eines � vom "Geist der Lagerstraße beseelten" � sozialpartnerschaftlichen Schulterschluss-Kapitalismus nur die "rote Barbarei" Stalins zur Wahl gestanden habe, konnte und kann es � in dieser Logik � zum Status quo der österreichischen Nachkriegsentwicklung keine Alternative geben.

Die Spuren ebensolcher Alternativen in Vergangenheit und Gegenwart freizulegen ist allerdings die Aufgabe der gesellschaftskritischen Kräfte � auch in Österreich. Dazu bedarf es aber der Analyse und Kritik jener Entwicklungen sozialistischer Gesellschaftsentwürfe, die mit dem Namen "Stalin" in unterschiedlichster Weise verbunden sind.

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