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Dagmar Schulz

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2005-10-13

Die KPÖ macht Schlagzeilen

Mangelndes Wissen um die Zeitgeschichte, extreme Klischeehaftigkeit, Untergriffe und Frauenfeindlichkeit - die Journaille schöpft aus allen Reservoirs.
So entblödete sich etwa das "profil" nicht, in einem "SchülerInnenzeitungs- Bericht" von der Wahlfeier der KPÖ im Cafe 7stern der Wiener Spitzenkandidatin Melina Klaus zu unterstellen, sie "rede nur, wenn sie gefragt werde", "würde sich am liebsten davon stehlen" und "sei selbst InsiderInnen nicht bekannt". Dazu noch einige deftige Zitate eines kariert behemdeten "Geheimgenossen" - fertig ist eine Dokumentation für ein Qualitätsmagazin.

Schade nur, dass Melina Klaus ihre Zeit vergeudet hat, mit der Journalistin ausführlich über Ziele, Forderungen und Wahlprogramm der Wiener KPÖ zu reden.

In der nächsten Nummer des profil wird der NOVUM-Prozess aufgewärmt - wenn die Fakten fehlen, garnieren die Herren Redakteure ihren Text mit einer Prise Häme oder einem Schuss Kalter-Kriegs-Diktion.

Doch was den Journalisten Recht ist, ist den PolitikerInnen anderer Parteien erst recht billig: Die laut Andreas Khol "wunderschöne Marxistin" Eva Glawischnig hält die Forderungen der KPÖ für "skurril", sieht im Bildungsprogramm Übereinstimmungen (wenn sie sich da nur nicht irrt!) und positioniert die Grünen in der Presse als den "Hauptgegner" der KPÖ.

Der KURIER wiederum will wohl der mächtigen Wiener SPÖ eines auswischen und widmet der KPÖ eine echte Headline - der Artikel danach gipfelt im Vorschlag der Gründung einer Linkspartei mit Kronenzeitungs-Darling Hans Peter Martin.

Andere Blätter wetteifern in der Ferndiagnose des "Kaltenegger"- Symptoms oder schwanken zwischen Verharmlosung und Übertreibung der "Roten Gefahr".
Die erbärmlichsten Sprüche aber kommen von ÖVP- SpitzenpolitikerInnen: Wenn Klasnic eine "Menschenhetze von 8 Listen auf eine Person" sieht, so mag dies noch ihrer Frustration zugeschrieben werden. Doch Bartensteins Sager von der "Moskauhörigkeit" der KPÖ und Schüssels Statement, es sei eine Schande, dass gerade im Jahr 2005 die KommunistInnen wieder in einen Landtag einzögen, sind unverzeihlich. Welche Kompetenz jeglicher Art ist Menschen solchen Zuschnitts noch zuzutrauen?

Warum ist es gerade in Österreich nicht möglich, die Diskussion um eine Linke sachlich zu führen? Warum ist gerade in Österreich der Mief des Kalten Krieges und der 50er Jahre einfach nicht zu vertreiben? Warum arrangiert man sich lieber mit alten und neuen Rechten, als sich mit fortschrittlichen Linken auseinander zu setzen?

Leider habe ich keine Antwort auf diese Fragen. Sicher ist nur, dass der Druck von links als sehr unangenehm empfunden wird - und dass dies ein Grund sein sollte, denselben noch zu verstärken.