2005-04-11
Eine Bombe im Flugzeug
Zum 50. Todestag Fritz Jensens
Während in Österreich in den Apriltagen des Jahres 1955 die Hoffnung auf den Staatsvertrag wächst � eine österreichische Regierungsdelegation weilt auf Einladung der sowjetischen Regierung in Moskau � und sich die positiven Signale für den Staatsvertrag verdichten, geht am anderen Ende der Welt der Kalte Krieg in unverminderter Härte weiter. Ein Flugzeug der Indian Air, aus Hongkong kommend, an dessen Bord Freund und Feind den chinesischen Ministerpräsidenten Zhou Enlai vermuten, wird am 11. April 1945 auf dem Flug nach Bandung in Indonesien durch eine Bombe zur Notlandung auf offenem Meer gezwungen. Bis auf drei Besatzungsmitglieder sterben alle Passagiere.
Zhou ist nicht darunter, aber der österreichische Kommunist, Arzt, Schriftsteller und Journalist, der seit 1953 in Peking weilende Korrespondent der "Volkstimme", Fritz Jensen. Er wollte von der ersten Konferenz der "Blockfreien", denen sich vor allem Staaten der Dritten Welt angeschlossen hatten, berichten. Als Täter werden bald Agenten des Tschiang Kai-schek-Regimes und natürlich der CIA ausgemacht. Der damalige indische Verteidigungsminister sprach von einem "wohl entdeckten, aber ungesühnten internationalen Verbrechen".
Wer war Fritz Jensen, dessen Todestag sich zum 50. Male jährt? Zweifellos einer der vielseitigsten und kämpferischsten Intellektuellen die der KPÖ angehörten. Er trat am Tag seiner Promotion als Arzt 1929 der KPÖ bei. Sowohl seine fachlichen Kenntnisse und Möglichkeiten als Arzt als auch seine literarischen Fähigkeiten stellte er in den Dienst der Arbeiterbewegung. 1934 versorgte er verwundete Schutzbündler, wofür er vom austrofaschistischen Regime eingelocht wurde und seine Anstellung verlor.
1936 ging er als einer der ersten Ärzte nach Spanien und wurde Chefarzt der 13. Internationalen Brigade. Nach der Niederlage der Spanischen Republik ging er nach Paris und London und folgte schließlich einem Ruf des internationalen Roten Kreuzes, in China zu arbeiten. Es ging um die medizinische Versorgung der Kuomintang-Armee im Kampf gegen die japanischen Invasoren. Fritz Jensen sorgte aber auch dafür, daß ein Teil der internationalen Hilfe auch die von der Roten Armee Mao Tse Tungs befreiten Gebiete erreichte.
1948 kehrte er mit seiner chinesischen Frau, die er als antijapanische Partisanin kennen gelernt hatte, nach Wien zurück und ließ sich zunächst als praktischer Arzt nieder. Gezwungenermaßen, denn "es gab keine Klinik, die es gewagt hätte, einen Antifaschisten anzustellen, der so lange seiner Heimat ferngeblieben war", wie seine Frau Wang Wu-An nach seinem Tod schrieb. Nur ein Jahr später aber nahm er seine politische Tätigkeit wieder auf, weil er die "kommerzielle Medizin" ablehnte, wurde Kulturrefernt der KPÖ und Redakteur der "Volkstimme". 1953 ging er erneut nach China, diesmal als Korrespondent der "Volkstimme" und des "Neuen Deutschland".
Fritz Jensen veröffentlichte das erste deutschsprachige Buch über die Geschichte und den Sieg der chinesischen Revolution ("China siegt"). Er besuchte Korea und veröffentlicht nach einer Reise durch Vietnam das Buch "Erlebtes Vietnam".
Man hat Fritz Jensen mit Egon Erwin Kisch verglichen, und die die ihn kannten, berichten von seinem Humor und seiner Selbstironie. Aus seinen Schriften ist die Begeisterung für die Kämpfe, an denen er teilnahm , aber auch die realistische Beschreibung ihrer Umstände zu erkennen. Neben den Reportagen hinterließ er auch Lyrik aus den verschieden Etappen seines Lebens.
Die Chinesische Volksrepublik ehrte Fritz Jensen durch ein Begräbnis auf dem Heldenfriedhof in Peking, wo auch ein Mahnmal für die Opfer des Flugs nach Bandung steht. Die KPÖ organisierte eine große Gedenkfeier im Wiener Konzerthaus.
1991 erschien in der Reihe "Biografische Texte zur Geschichte der Österreichischen Arbeiterbewegung" der seinerzeitigen "Arbeitsgemeinschaft der KPÖ für Geschichte" eine Biographie "Arzt an vielen Fronten" von Eva Barilich im Globusverlag.