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Julius Mende

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2005-11-20

Die Linke und das Christentum

Die Berührungspunkte zwischen der Linken und den KatholikInnen, wie man genderkorrekt sagen muss, können sich eigentlich nur auf die soziale Frage beziehen. Anknüpfungspunkte dafür sind im Besonderen die Sozialenzyklika, einige Hirtenbriefe und die verdienstvolle Arbeit der Caritas und anderer karitativer Vereine. Inwieweit man Darabosch als Linken durchgehen lassen kann, ist auch dahingestellt. Andererseits ist die auf Gesellschaftsveränderung orientierte Linke so ein kleiner Kreis, dass es für KatholikInnen wieder wenig Grund gibt, sich mit denen einzulassen. Konkrete Zusammenarbeit gibt es, wie gesagt, mit Minderheiten in der Globalisierungsbewegung. So ein Bündnis kann auf den genannten Berührungspunkten beruhen.

Mir schiene es aber für eine längerfristige, gedeihliche Zusammenarbeit sinnvoll, auch das Trennende zu thematisieren. Eine opportunistische Anbiederung z. B. auch der kleinen KPÖ an ChristInnen bzw. KatholikInnen blendet die Differenzen aus. Wenn wir Kommunisten und Kommunistinnen uns immer wieder streng zum Stalinismus und zur Frage der Gewalt in der Politik befragen lassen müssen, halte ich es für legitim und notwendig, nicht unbedingt nach den Hexenprozessen zu fragen, die sind wirklich schon zu lange her, sondern nach der Demokratie in der Kirche.

Jeder, jede, die Mitglied in der katholischen Kirche ist, wird konfrontiert mit der Stellung der Frau, die anderen fundamentalistischen Religionen ähnelt. Die Frau hat in der Kirche zu schweigen. Dies gilt es auch zu bedenken, wenn herablassend über den Islam diskutiert wird, wie eben jetzt von höchsten Repräsentanten in Wien. Diese Religionen haben nicht die Mindeststandards von Demokratie realisiert. Frauen können keine relevanten kirchlichen Ämter übernehmen. Es gibt keine demokratischen Wahlen zur Bestimmung der GemeindeführerInnen. Es sind paternalistische, autoritäre Gruppierungen, die sich anmaßen (wie z. B. jüngst in Portugal), sich in die Politik des bürgerlich-demokratischen Staates einzumischen, etwa in Sachen der Frauenrechte, der Abtreibung usw.

Menschen, die mit ihrer Mitgliedschaft auch ja sagen zu diesen undemokratischen Strukturen, tragen dieses Autoritätsverständnis auch in die linke Bewegung hinein. Stalin war z. B. ein Jesuitenzögling. Die Linke formiert sich unter diesem Einfluss zu einer Glaubensgemeinschaft mit Vorbetern und NachbeterInnen.
Wer glaubt, hier fehlt nur ein wenig Demokratisierung, dem fehlt das Verständnis für das christliche Menschenbild. Mit dem Versprechen der Belohnung für ein gutes Leben im Jenseits zieht sich eine Spur der autoritären Anleitung durch die ganze Kirchengeschichte. Die Nachfolge Christi bedeutet auch eine ähnlich bedingungslose Unterwerfung unter göttliche Prinzipien, wie dies Jesus mit seinem Kreuzesopfer vorgelebt hat. Die jungen männlichen Priester werfen sich zur Weihe flach auf den Boden als Symbol eben dieser bedingungslosen Unterwerfung.

Das Christentum ist eine Religion des Todes- und des Opferkultes. Der Messtext ist der Text eines archaischen Blutopfers und die Kinder werden angehalten, zu einem Gefolterten am Kreuz zu beten. Der Sozialismus ist diesseitsbejahend, demokratisch und lebensfroh, wenngleich die Verherrlichung des Widerstandes von den Christen einen gewissen Opfermythos abgeschaut hat. Die Kirchen sind sexualfeindlich und damit lebensfeindlich. Sie nutzen ihre jeweiligen Sexualregulierungen zur Unterdrückung ihrer Gläubigen und zur Ängstigung der Kinder durch Konzepte der Sünde.

Eine solche Betrachtung ist zwar etwas simplifizierend. Man versetze sich jedoch bloß einmal in die Sichtweise eines Andersgläubigen, wie sollte der oder die diese Mysterien anders betrachten. Ein chinesischer Wienbesucher fragte einmal einen älteren Genossen im Anblich des Stephansdoms: "Wie heißt nur schnell der Aberglaube, in dessen Namen diese riesigen Tempel errichtet wurden?" Die immer wieder eingeforderten Dialoge zwischen den Religionen könnten ja zu einer Relativierung der eigenen Lehre führen und vor allem die christlich-westliche Präpotenz, die konservative Kreise auch in die EU-Verfassung schreiben wollen.
Was geschieht aber statt dessen ? Die Konfessionen verbünden sich in ihrem Irrationalismus und in ihrem Autoritarismus. Religionslehrer für verschiedene anerkannte Religionsgemeinschaften werden an staatlichen Institutionen ausgebildet. Die religiösen Dialoge dienen der Formierung der Fundamentalisten aller Lager gegen die Aufklärung und gegen den Rationalismus. Sehen christliche Freunde und Freundinnen das ähnlich, sind sie willkommen, aber sie werden ähnlich wie ich und meine Freunde irgendwann ihren Abschied von den großen Magiern nehmen. Amen.