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Lutz Holzinger

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2005-06-26

Gedenkjahr: Was bisher geschah

Falls ich ein unbefangener junger Mann wäre, der ich zweifellos nicht bin, was wäre bei mir vom Gedenkjahr 2005 hängen geblieben? � Ohne mein vor allem durch die Mitgliedschaft in der KPÖ vermitteltes Wissen über Daten wie 1927, 1934, 1936, 1938 usw. würde ich mich im heurigen Jahr besser darüber "aufgeklärt" fühlen, dass die letzten Kriegsjahre mit Bombenterror auch auf österreichische Städte, das Kriegsende mit der Vertreibung von Deutschen und die unmittelbare Nachkriegszeit mit der Verfolgung von Nationalsozialisten verbunden war.

Von den wirklich wesentlichen Aspekten der historischen Zusammenhänge, die für das Wiedererstehen von Österreich Voraussetzung waren � wie etwa die Dialektik zwischen Widerstand, Moskauer Deklaration und Befreiung �, war nicht das Geringste zu vernehmen. Tatsächlich scheint das Gedenkjahr mit seinen hypertrophen Scheinevents nur inszeniert worden zu sein, um von der Kontinuität abzulenken, die vor allem die gegenwärtigen Regierungsparteien mit den unseligen Aspekten der Vergangenheit verbindet.

Dass braun sich hinter blau und/oder orange tarnt, ist keine Neuigkeit. Aber der eigentliche Hammer besteht darin, dass die für den Austrofaschismus und die Vernichtung der Demokratie verantwortlichen Kräfte wegen des nationalsozialistischen Intermezzo, das auch ihnen auf den Kopf fiel, in der Zweiten Republik völlig ungeschoren davon gekommen sind. Kein Wunder, dass für die Vernebelung dieser Tatsachen kein Event zu kostspielig war.

Seltsamer Weise ist bei der ganzen Inszenierung niemand auf die Idee gekommen, die Verantwortung für das Gedenkjahr nicht den Tätern, sondern einem Komitee von relevanten Zeithistorikern zu überlassen. Aber wer weiß allerdings, was bei der mangelnden Zivilcourage der heimischen Universitätslehrer, die nicht einmal gegen die finanzielle Erdrosselung von Lehre und Forschung aufzumucken wagen, daraus geworden wäre?