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Wolf Jurjans

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2005-12-02

Fiebernde Aktienkurse

Es ist still geworden um die Vogelgrippe. Schon tagelang kein medialer Pieps mehr. Wochenlang wurde in den Medien darüber gezwitschert, ob die Gefahr besteht, dass die Vogelgrippe auf den Menschen überspringt. Wie groß ist diese Bedrohung tatsächlich und wie kann Vorsorge getroffen werden?

Jeder tote Vogel gab unzähligen Diskussionsrunden Nahrung. An deren Ende waren die Zuhörer so schlau wie am Anfang. Die Frage, ob die Gefahr einer tödlichen globalen Epidemie real und akut sei, wurde letztlich nie beantwortet. Dem Geflügel wurde Hausarrest verordnet. Der Verkauf von Backhendln ging zurück.

Die Hysterie führte zur gewünschten Panik. Regierung und Bevölkerung kauften massenweise das Grippemedikament Tamiflu. Von Ausverkauf und Lieferschwierigkeiten war die Rede.

Der Hersteller, der Pharmakonzern Roche, verkaufte in Österreich statt der in einer Grippesaison üblichen 40.000 Packungen 220.000 und das obwohl bekannt war, dass sich das Mittel nur zur Behandlung einer normalen Grippe eignet. Die Aktienkurse explodierten.

Nach dem großen Geschäft kam die große mediale Stille. Die Ursache: Eine Aussendung von Roche, in der es heißt, dass die Vorsorge für eine Vogelgrippe-Pandemie derzeit zweitrangig ist. Wichtig sei die Vorsorge vor der normalen Grippe.

"Wir haben eine Risikoabschätzung gemacht und da ist die kommende Grippewelle akut gefährlicher", beruhigt Roche Austria-Chef Martin Hangarter. Und, welch glückliche Fügung, das Grippemittel ist wieder in ausreichender Menge verfügbar.

"Ich hoffe, dass Tamiflu auf Grund der höheren Bekanntheit besser eingesetzt wird", meint der Pharmachef und freut sich auf noch höhere Verkaufszahlen.

Fieberkurve und Aktienkurse weiter im Höhenflug. Diesmal ohne tote Vögel.