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Walther Schütz

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2005-04-26

Steigen die Jobchancen mit längerer Pflichtschule?

Jugendliche, die nur die derzeitige Schulpflicht erfüllen, seien sechs Mal häufiger arbeitslos, so Maria Hofstätter von der Forschungsstelle des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich in der "Presse" vom 3. 2. 2005. Und weiter: "Für anspruchsvollere Lehrberufe wie Buchhändler oder Optiker wählen die Arbeitgeber schon jetzt eher Bewerber, die zwei oder drei Jahre in einer weiterführenden Schule waren".

Dazu einige Gegenthesen:

1. Dass sich in Zeiten eines unglaublichen Überangebotes an Arbeitskräften die Unternehmen natürlich die aus ihrer Sicht besser Qualifizierten herauspicken, ist ja wohl logisch - no na net. Wenn man aber (...) die Arbeitslosigkeit unmittelbar mit der mangelnden Eignung der Erwerbslosen in Verbindung bringt, dann ist man schon in die "Qualifikationsfalle" getappt - den Arbeitslosen wird die Verantwortung für die Arbeitsmarktprobleme zugebeutelt.

2. Qualifikationsmaßnahmen können allerdings eines tun: Sie können eine Dynamisierung im Bereich der Erwerbslosen bewirken und so die Gefahr des Festkrallens der Erwerbslosigkeit in einer bestimmten Menschengruppe herabsetzen. Sie beseitigen aber NICHT das Grundproblem.

3. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in einer Situation des Überangebotes durch Qualifikationsmaßnahmen beseitigen zu wollen ist Ausdruck der international vorherrschenden, auf die Marktmechanismen vertrauenden angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Diese tritt in 2 Versionen auf: Einer "sozialliberalen" (nicht als parteipolitischen Terminus missverstehen!) und einer "neoliberalen": Beide Versionen angebotsorientierter Wirtschaftspolitik verbindet das Vertrauen in den Markt. Was den Laissez-faire-Neoliberalismus von der sozialliberalen Version der Angebotsorientierung unterscheidet ist lediglich die Annahme, dass man den einzelnen Wirtschaftssubjekten in ihrem Überlebenskampf am Markt auf die Sprünge helfen müsse. Insofern ist dieser scheinbar gutmeinende Ansatz sogar noch ein bisschen totalitärer, weil er auf die zu "Humanressourcen" degradierten Menschen noch umfassender zugreift!

4. Eine Verlängerung der Ausbildungszeit senkt die Arbeitslosigkeit nur insofern, als einzelne Jahrgänge vom Arbeitsmarkt genommen werden. Lösung aber ist das keine, die bringt nur eine Arbeitszeitverkürzung.