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Julius Mende

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2005-06-04

EU-LehrerInnen für EU-Schulen

Die Normierung des Lernens und Prüfens nach Testmustern

Dieser Tage wurde über die Medien verlautbart, dass die ersten Mathematiktests an den Schulen gemacht werden, die eine Basis für zukünftige einheitliche Bildungsstandards an unseren Schulen darstellen sollen. Da es in einigen europäischen Ländern schon lange üblich ist, z. B. die Matura zentral zu vergeben und zentral auszuwerten, soll diese Standardisierung nun auch andere Schulstufen erfassen. Das Bildungssystem in der EU soll so hergerichtet werden, dass ein Schulabschluss einer Fünfzehnjährigen aus Finnland dem einer jungen Österreicherin vergleichbar wird. Das dahinterliegende Problem der völlig unterschiedlichen inhaltlichen Wertigkeit von Schulabschlüssen soll durch Standards in den EU-Fächern Englisch und Mathematik zunächst einmal gelöst werden.

Dieser Wunsch nach Standardisierung geht von der Fantasie der großen Arbeitskräftewanderung in Europa aus. Die findet so nicht statt, und die Schulabschlüsse werden nach der Normierung wahrscheinlich auch nicht wichtiger genommen werden. Erreicht wird eine weitere Normierung des Lernens und Prüfens nach Testmustern, denn anders kann ja diese Normierung nicht stattfinden. Bildermalen und Aufsatzschreiben werden ja wohl nicht gemeint sein.

Damit zeigt sich auch schon die unterschiedliche Gewichtung der Fächer. Das Lernen wird zu einem entpersonalisierten Verwaltungsakt, der dann freilich auch nett über Telelearning abgewickelt werden kann. Das Ideal: die vom Computer ausgewertete Matura. Zu diesen Zukunftsvisionen braucht man die entsprechenden Lehrer und Lehrerinnen. Daher soll die Lehrerbildung auch hergerichtet werden. Die meisten europäischen Länder bilden ihre LehrerInnen an Hochschulen aus. Bei uns behilft man sich mit einem Etikettenschwindel, man tauft die Pädagogischen Akademien einfach in Hochschulen um. Aus Amerika übernehmen die europäischen Bildungseuphoriker in der sog. "Bologna-Erklärung" das System der Abstufung der Studienabschlüsse vom Bakkalaureat über den Master zum Doktor. Damit hätten die Sozialdemokraten dem Namen nach ihre hochschulmäßige Lehrerbildung, die sie seit über hundert Jahren fordern.

Die dreijährige Ausbildung bleibt aber unter dem Niveau der meisten EU-Länder. In drei Jahren ist keine Hochschulbildung möglich, höchstens eine Berufsabrichtung. Die Lehrenden bleiben die gleichen und kommen damit billiger als die ordentlichen Professoren, man spart ein Jahr. Was liegt also näher, als möglichst viele Studien für Schulfächer von der Universität weg zu den PÄDAKS zu verfrachten. Dann stimmen die Hochschuletiketten, der Preis ist gering und die katholische Kirche könnte von den verbleibenden acht bis zehn Lehrerbildungsstätten ein paar abkriegen.