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Gottfried Berger

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2005-03-16

Beneidenswert?

Eprahim Kishon erwähnt in einem kurzen Beitrag zwei Bevölkerungsgruppen, denen gegenüber er so etwas wie Neidkomplexe empfinde. Die eine, das sind die Politiker - das Thema sei für ihn aber abgehakt. Die andere Gruppe, die er wirklich beneide, das sind die Funkamateure mit ihren eigentümlichen Umgangsformen - ihren Prioritäten. Für sie ist der Nabel der Welt ihr Hobby. Sie scheinen sonst wenig Sorgen und von den Misslichkeiten der Realität nur sehr tangential berührt zu sein. So die Essenz von Kishons satirischer Interpretation.

Die rund 6000 lizensierten Funkamateure Österreichs - großteils organisiert im ÖVSV (Österreichischer Versuchssenderverband) "bedenken" 2005 ebenfalls. Sie dürfen in diesem Jahr das Sonderpräfix (Präfixe heisen die von der internationalen Fernmeldeunion - ITU den Nationalstaaten zugewiesenen Landeskennern) "OE 50" für ihre internationalen Verbindungen verwenden.

Für die Funkamateure gibt es allerdings eher ein 51jähriges Jubiläum zu feiern. Seit Februar 1954 werden in Österreich seitens der Fernmeldebehörde wieder Sendelizenzen vergeben und somit legaler Amateurfunkbetrieb zulässig. Im "1000-jährigen" Reich wurde der ÖVSV aufgelöst und die in Österreich damals relativ geringe Zahl von Funkamateuren in den Deutschen Amateur Sende Dienst (DASD) eingegliedert. Mit Beginn des Krieges wurde der DASD direkt dem NSDAP Propagandaministerium von Göbbels unterstellt und Amateurfunktätigkeit unter dem Delikt der "Schwarzsendetätigkeit" geahndet. An Funktechnik interessierte Menschen konnten dieses Interesse nur unter den bekannten Restriktionen im Rahmen der Wehrmacht und der NSDAP Maschinerie ausleben. Eine Erblast für den ÖVSV nach 1945. Daraus ist auch erklärbar, warum die (Funk)Geschichtsaufarbeitung "übervorsichtig" erfolgt.

Nach 1954 war die Welt für die österreichischen Amateurfunker wieder im Lot. Der Krieg hinterließ auch massenhaft funktechnischen Schrott und es wurden aus diesen Relikten die abenteurlichsten Sendegeräte und Empfänger konstruiert. Man half sich gegenseitig bei der Beschaffung von Ersatzteilen sowie technischem Wissen. Der ÖVSV boomte. Trotz kaltem Krieg lies man sich nicht mehr instrumentalisieren und knüpfte und knüpft internationale Freundschaften. Funkwellen kennen keine Grenzen und jene in den Köpfen sind heute unter den ca. 2 Millionen Funkamateuren weltweit vielleicht durchlässiger als in anderen Bereichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das ist ja vielleicht wirklich ein Grund, dieses seltsame Grüppchen von Menschen zu beneiden!

PS: Die Amateurfunkprüfungen in Wien werden am ehemaligen Sitz des Zentralkommitees der KPÖ Höchstädtplatz 3 (7.Stock) seitens der Fernmeldebehörde abgenommen.