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Lutz Holzinger

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2005-09-04

Wolfgang Bauer

Wie der Tod jedes Individuums ist auch der Abgang des Grazer Dramatikers Wolfgang Bauer ein unersetzlicher Verlust. Bei Bauer handelte es sich um eine besonders farbige und gleichzeitig äußerst sensible Persönlichkeit, die in Dramatik und Lyrik ein besonderes Gespür für die alltägliche Gemütslage der heimischen ZeitgenossInnen an den Tag legte.

Durch vermeintliche Skandalstücke wie "Magic Afternoon" hat Bauer sich zwar stärker ins � mit kurzen Halbwertszeiten ausgestattete � Erinnerungsvermögen des heimischen Kulturbetriebs eingegraben. Dennoch ist auch er jüngeren LeserInnen weit gehend unbekannt, weil das Verlagswesen nicht in der Lage ist, den ganzen Reichtum ansprechend zu präsentieren, über den die österreichische Gegenwartsliteratur verfügt.

Ist ein Schriftsteller einmal unter der Erde wie die jung verstorbenen Franz Innerauer und Helmut Zenker, kräht � verlegerisch gesehen � überhaupt kein Hahn mehr nach ihnen. Aber auch Autoren wie Wilhelm Pevny, Hans Trummer oder Gernot Wolfgruber werden praktisch kaum mehr wahrgenommen, selbst wenn sie mit neuen Publikationen hervortreten. Im Zuge der Verluderung der Literaturkritik in den Massenmedien, die sich lieber mit Krimikolportage als mit schöner Literatur im engeren Sinn befasst, ist neben der Bestseller-Präsentation nur mehr Platz für die Berichterstattung über ein, zwei ParadeautoInnen; der Rest ist Schweigen.

Aufgabe richtig verstandener Kunstpolitik ist es, nicht in Einmalprojekte wie "Austrokoffer" oder "Landvermessung" zu investieren, sondern für eine kontinuierliche Pflege der österreichischen Gegenwartsliteratur zu sorgen, die qualitativ und quantitativ mit keinem anderen Land einen Vergleich zu scheuen braucht. Seinerzeit hat der Arbeitskreis österreichischer LiteraturproduzentInnen vorgeschlagen, mit einem Bibliotheks-Schilling u. a. einen selbst verwalteten Autorenverlag zu finanzieren, um stets für die Lieferbarkeit von wohlfeilen Ausgaben wichtiger Werke zu sorgen.

Mittlerweile scheint der Literarturkarren so verfahren zu sein, dass eine rasche Problemlösung zwar vordringlich aber nicht zu erwarten ist.